
In der Entwicklung des Menschen spielte die Jagd für die Überlebenssicherung lange Zeit eine entscheidende Rolle. Heute sind die Gründe für die Jagd viel-fältig, es gibt aber auch zahlreiche Gründe, dagegen zu sein. In Deutschland mit einer Gesamtfläche von rund 35,8 Mio. ha (= 357.683 km²) unterliegen 32 Mio. ha dem Jagdrecht. Das entspricht einen Flächenanteil von 89 %, wo grund-sätzlich gejagt werden darf; die Zahl der Jagdscheininhaber stieg 2025 auf 467.700 (Frauenanteil 11 %). In Deutschland dürfen nur Tiere bejagt werden, die im Bundesjagdgesetz ‚BJG‘ und in den jeweiligen Gesetzen der Bundesländer ausdrücklich als „jagbar“ aufgeführt sind.


Keine Jagd darf u.a. auf den Luchs, die Wildkatze und Haustiere gemacht werden. Seit dem 2.4.26 zählt der Wolf bundesweit zu den jagdbaren Arten. Sein strenger Schutzstatus bleibt jedoch weiterhin bestehen. Eine reguläre Bejagung ist daher nicht automatisch möglich.

Der Wolf unterliegt grundsätzlich einer ganzjährigen Schonzeit. Das geänderte BJG schafft jedoch die rechtliche Grundlage, in Regionen mit günstigem Erhaltungszustand und unter klar definierten Voraussetzungen ein Bestands-management zu ermöglichen. Dabei können die Bundesländer entsprechende Managementpläne erarbeiten. Siehe hierzu auch YouTube „Wolfsabschuss in Deutschland – sinnvoll oder Symbolpolitik? (Wohllebens Waldakademie).

Der Biber ist in Deutschland nicht im Jagdrecht verankert, sondern unterliegt strengstem Artenschutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz ‚BNatSchG‘; er darf grundsätzlich nicht bejagt werden. Einige Bundesländer (wie Bayern und BW) haben spezielle Verordnungen erlassen, die den rechtlichen Rahmen für den Abschuss oder die Entnahme zur Schadensabwehr unter strengen Auflagen definieren. Anmerkung: Siehe Entscheidung des VGH BW zum Stopp der BiberVO! Gerade die aktuelle Hitze- und Trockenperiode führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, unsere Landschaft im Klimawandel resilienter zu machen und Wasser in der Fläche besser zurückzuhalten. Der Biber ist hierfür ein exzellenter Partner. Er verrichtet diese Arbeit für uns an vielen Stellen kostenlos, unbürokratisch und schneller als jeder Bagger. Dort, wo es tatsächlich Probleme gibt, lassen sich diese zumeist auch ohne Abschuss pragmatisch lösen; sie müssen wieder die Ausnahmen bleiben.“ (BUMD/NABU 25.6.26).
Der Deutsche Jagdverband ‚DJV‘ erfragt in unregelmäßigen Abständen die Motivation der Jungjäger/-rinnen; die vier meistgenannten Gründe, die Ausbildung zumt Jäger zu absolvieren (2020): Ich bin gerne in der freien Natur 77 %; Jagd ist für mich angewandter Naturschutz 64 %; ich esse gerne Wild 51 %; ich habe Freude an der Jagd 41 %. Anhaltende Kontroverse: Das komplexe Thema JAGD wird seit geraumer Zeit leidenschaftlich diskutiert. Einige Argumente in Stichworten:

Regulierung von Wildbeständen; Schutz von Wald und Landwirtschaft; Verhinderung von Krankheiten; Tradition und Kultur; Nutzung von regionalem Fleisch. Siehe JÄGER NEWS 4.6.26; „Weniger jagen, mehr schützen: Was die Jenaer Erklärung fordert“.

Verursachung unnötigen Tierleids; Zweifel an Nutzen und Notwenigkeit; Eingriff des Menschen in natürliche Prozesse; Eigennutz steht im Vordergrund; Sicherheitsrisiko durch Jagdunfälle.

Arten, zu jagen: Bei der Einzeljagd ist der Jäger oder die Jägerin allein unter-wegs. Die häufigste Methode ist der s.g. Ansitz, bei dem man still und geduldig an einem geeigneten Platz auf die Tiere wartet. Für die Gesellschafts- oder Gruppenjagd benötigt man mehrere Personen, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Bei der bekanntesten Form, der Treibjagd, scheucht eine Reihe von Treibern mit ihren Jagdhunden Niederwild auf und sorgt dafür, dass diese in Richtung von wartenden Schützen fliehen. Eine Treibjagd erfordert ungleich mehr organisatorischen Aufwand als die Einzeljagd und braucht einen Jagd-leiter für den sicheren Ablauf.



Einordnung der Wildtiere: Im Jagdwesen werden Wildtiere in zwei Hauptarten (Federwild/Vögel und Haarwild/Säugetiere) und mehrere Unterkategorien (wie Hühnervögel, Wasserwild, Greif-, sonstige Vögel (z.B. Elster und Eichelhäher) bzw. Schalen-, Nieder-, Raubwild) eingeteilt. Es ist möglich, dass ein Tier in zwei Kategorien fällt, so zählen bspw. der Marder sowohl zum Nieder- als auch zum Raubwild.
Tiere, deren Jagd früher dem Adel vorbehalten war, sind als Hochwild bekannt. Dazu zählen Rothirsche, Dam-, Sika-, Gamswild, Stein-, Muffel- und Schwarz-wild (Wildschweine gehören bei uns nach dem Rehwild zu den am häufigsten erlegten Wildtieren), aber auch Auer- und Haselwild, Stein- und Seeadler. Das Reh hingegen wird dem Niederwild zugerechnet; neben Rehen z.B. auch Feldhasen, Kaninchen, Füchse, Dachse, Fasanen, Rebhühner, Gänse, Enten und auch der Fischadler.
Rund 5 Mio. Wildtiere werden jedes Jahr in Deutschland erlegt. Jagdstrecke der hauptsächlichen Wildarten im Jagdjahr 2024/25; in ( ) = erlegte Tiere – Reihen-folge nach den Stückzahlen:

























Wilderei durch Tierliebe? Eine Frau fand ein Rehkitz auf einer Wiese und entschied sich, dieses mit nach Hause zu nehmen. Die vermeintliche Tierliebe endete für das Jungtier tödlich, nun ermittelt die Polizei wegen Jagdwilderei.(JÄGER News 14.6.26 + 19.3.26).

Wildtiere retten? Wenn ein Tier verletzt oder krank ist, wollen viele Menschen helfen. Doch Mitgefühl allein reicht nicht für eine gute Entscheidung. Wochen-lang bewegte das Schicksal von Buckelwal „Timmy“ die Menschen in Deutschland. Trotz aller Rettungsbemühungen starb der von Anfang an stark geschwächte Wal. Aus ethischer Sicht wirft nicht nur dieses Beispiel viele Fragen auf. Sind Menschen moralisch verpflichtet, verletzten oder kranken Wildtieren zu helfen? Macht das in jedem Fall Sinn? Das sagen Fachleute: Wie sind Rettungsversuche für Wildtiere ethisch zu bewerten? Dänemark hat eine klare Haltung zum Umgang mit gestrandeten Walen: Die Strandungen gelten als natürlich und sollen nicht durch menschliche Eingriffe beeinflusst werden. In Deutschland sei der Fall des Buckelwals dagegen sehr emotionalisiert worden, meint die Tierethikerin Judith Benz-Schwarzburg von der Veterinär-medizinischen Universität Wien. Ähnlich sieht es der Tierethiker Felix Suckstorff von der Universität Greifswald. Generell sieht er keine generelle moralische Verpflichtung für Menschen, kranken oder verletzten Wildtieren zu helfen. „Ich finde es aber auch nicht verwerflich, dies zu tun – wenn ich dadurch nicht noch mehr Schaden verursache. Welchen Schaden kann es verursachen, ein Tier retten zu wollen? Beim Wal warnten Fachleute immer wieder, es werde einem schwerkranken Wildtier durch die ständige Annäherung von Menschen und den Transport unnötig Stress und Angst zugefügt. Benz-Schwarzburg findet es auch problematisch, wenn Menschen ein Reh oder eine Gazelle retten wollen, die bei der Jagd von einem Raubtier verletzt wird. „Damit unterbricht man ein natürliches Jagdverhalten und auch den Nahrungserwerb“, sagt die Expertin. Soll man die Freiheit eines Wildtiers einschränken, um ihm zu helfen? „Das ist tatsächlich ein Spannungsfeld und nicht leicht aufzulösen“, sagt Suckstorff. Dazu müsse man Fachleute zurate ziehen, die beurteilten, wie einschränkend das für das Tier ist, welche Chancen es auf eine Auswilderung und bei sozial lebenden Tieren eine Rückkehr in den Sozialverbund gebe. „Sonst entlasse ich ein Tier in die Freiheit, das zwar keine physischen Schmerzen mehr hat aber trotzdem leidet.“ Spielt es eine Rolle, ob das Leid des Wildtiers von Menschen verursacht wurde? Für Tierethiker Suckstorff steht in dem Fall eindeutig fest: »Wenn es einen menschlichen Faktor gab, warum ein wild- lebendes Tier leidet, dann gibt es auch eine moralische Pflicht, diesem zu helfen.“ Beispiele dafür seien, wenn man ein Reh anfahre oder ein Vogel gegen die Wohnzimmerscheibe fliege. Doch nicht immer ist es so eindeutig. „In vielen Fällen hat der Mensch eine indirekte oder auch ganz direkte Beteiligung daran, dass es Wildtieren nicht gut geht“, gibt Benz-Schwarzburg zu bedenken. Dazu zählten der Klimawandel, der Verlust von Lebensraum, die Übersäuerung der Meere oder Umweltverschmutzung. Es werde diskutiert, dass diese menschen-gemachten Faktoren auch daran beteiligt seien, dass Delfine & Wale stranden, ergänzt sie. „Und deswegen kann man in ,Timmys‘ Fall, aber auch in vielen anderen Fällen durchaus sagen: Wir haben eine gewisse Mitschuld an der Problematik.“ Viele Jungtiere sind gar nicht „hilflos“: Gerade bei Jungtieren geht die Tierliebe mit manchen Menschen durch. „Da wird wirklich viel ein-gesammelt“, sagt Joachim Neumann vom Artenschutzzentrum Leiferde in Niedersachsen. Oft sei der vermeintliche hilflose Jungvogel aber gar nicht verletzt oder verlassen. Das Team schicke die Leute dann mit der Anweisung nach Hause, das Tier genau dort wieder abzusetzen, wo es aufgelesen wurde.
Quellen: SWP/WISSEN, BMEL, DJV, Jagdfakten.at, NABU, BUND, Wildtier-schutz Deutschland e.V., jaegerschmiede.de 13.6.26 und /BLICK IN DIE WELT/dpa/Irena Güttel „Wildtiere retten?“ 12.6.26; Jagd-Natur-Wildtier-schützerverband BW; Wikipedia/KI. Siehe auch NABU-Team 18.6.26 „Wenn Wildtiere unsere Hilfe brauchen“ und Wildtierbericht 2024!