Auf Fährten- und Spurensuche – Woran du im Wald erkennst, das Tiere da waren

Winzige Käfer, Mäuse, Vögel, Wildschweine, Rehe und Hirsche – im Wald sind eine Menge Tiere unterwegs: sie sind scheu, leben versteckt oder sind nacht-aktiv. Die wenigsten bekommt man daher bei einem Spaziergang zu Gesicht. Doch wer aufmerksam durch den Wald geht, kann viele Stellen finden, an denen zuvor ein Tier unterwegs war, etwa einen Fußabdruck, eine verlorene Feder, Nagespuren an einem Baum und mehr. Wir zeigen, welche Fährten und Spuren du mit etwas Wissen & Glück entdecken kannst und was sie dir über die Tiere verraten. Der nächste Spaziergang wird bestimmt spannender und erlebnisreicher!

War das ein Wildschwein? Oder doch ein Hirsch Cervus elaphus? Ein Schwan oder gar ein Fischotter Lutra lutra? Welche Abdrücke hinterlässt eigentlich der Fuchs Vulpes vulpes (von Dez. – Febr. kann man häufiger das Ranzbellen hören)? Spuren im Schnee können spannende Geschichten erzählen, wenn man sie lesen kann. 

Eichhörnchen, Mäuse und auch einige Vögel lieben Fichtenzapfen – oder besser gesagt die nahrhaften Samen darin. Wer an einen Zapfen gefressen hat, kannst du daran erkennen, wie er angenagt ist. Mäuse knabbern den Zapfen rund-herum von den Deckschuppen sauber ab (ff. Foto Mitte), während Eichhörn-chen die einzelnen Schuppen herausziehen (ff. Foto links; zum ff. Winterfoto: An den Vorderpfoten hat das Eichhörnchen vier, an den Hinterpfoten fünf lange Finger mit Greifzehen).

Um an die Samen heranzukommen, klemmen Spechte die Zapfen in kleine Baumhöhlen, Astlöcher oder Astgabeln (s.g. Spechtschmiede) ein und bearbeiten die Zapfen mit ihrem Schnabel. Sie ziehen oft nur die Samen zwischen den Schuppen heraus und der Zapfen ist danach noch ziemlich vollständig, wenn auch ein bisschen zerrupft.

Unter Schmiede versteht man in der Vogelkunde eine natürliche oder künstlich adaptierte Stelle in Bäumen oder auch Gemäuern u. Felsen, in denen verschie-dene Vogelarten hartschalige Nahrungsobjekte wie Nüsse oder Käfer ein-klemmen, um sie dort bearbeiten und für den Verzehr vorbereiten zu können. Da vornehmlich Spechte diese Methoden entwickeln, spricht man auch von Spechtschmieden.

Eulen fressen ihre Beute im Ganzen, können aber einen Teil davon nicht verdauen. Fett, Federn und Knochen würgen sie als zusammengepressten Ballen wieder heraus. Dieses s.g. Gewölle kann man manchmal am Waldboden entdecken. Auch Greifvögel, Störche und einige andere Arten produzieren Gewölle. Der Uhu Bubo bubo, unsere größte Eulenart, hat bestimmte Plätze, an denen er seine Beute (Nahrung) rupft (s.g. Rupfplätze). 

Auch Federn im Wald verraten viel über seine gefiederten Bewohner – es gilt sie nur zu finden.

Direkt am Wegesrand kannst du manchmal umgewühlte Erde sehen. Hier waren Wildschweine Sus scrofa auf der Suche nach Eicheln, Bucheckern und anderen Samen und Früchten. Ist der Boden noch frisch umgebrochen, waren die Wildschweine vielleicht erst in der vergangenen Nacht hier. Ist schon etwas Laub draufgehalten und die Erde getrocknet, sind die Spuren schon ein paar Tage oder Wochen alt.

Wildschweine wälzen sich gerne im Schlamm. An vielen Stellen im Wald finden sich deshalb s.g. Suhlen, also große, schlammige Pfützen. In der Nähe kannst du oft Bäume, (s.g. Malbäume) entdecken, die unten ganz glatt abgerieben sind. Die Wildschweine reiben sich nach ihrem Bad im Schlamm daran, um das Fell zu reinigen und Parasiten loszuwerden.

Malbäume sind Bäume, die Rotwild, Wildschweine oder Dachse dazu nutzen, um ihre Decke bzw. die Schwarte daran zu scheuern oder zu malen Dieses Vorgehen dient dem Wohlbefinden der Tiere und hilft dabei, Ektoparasiten zu entfernen. Malbäume werden von den Tieren meist nach dem „Suhlen“ aufgesucht.

Eine Suhle ist in der Jägersprache die Bezeichnung für eine morastige Boden-vertiefung. In ihr legt sich Rot- Cervus elaphus (ff. Foto rechts: …mit noch vom Bast umschlossenem Geweih), Sika- Cervus nippon (Neozoen) oder Schwarz-wild, besonders bei trockenem heißem Wetter, nieder. Die Tiere kühlen sich dabei ab und reinigen sich von Ungeziefer, wie beispielsweise den Hirsch-lausfliegen und Zecken . Dieser Vorgang wird „Suhlen“ genannt.

Wer ganz genau hinschaut, kann Fährten und Spuren im feuchten Waldboden entdecken, wo Schalenwild wie Rehe (Paarhufer: ihre Beine werden „Läufe“ und die Hufe Schalen genannt), Hirsche oder Wildschweine (sie sind Paarhufer: zwei ihrer Zehen sind als s.g. Afterklaue nach hinten gerichtet) den Weg gekreuzt haben.

Die bedeutendsten Arten der Schädigung im Wald sind die Verbiss-, Nage- und Schälschäden. Verursacher für Verbiss- und Nageschäden an Kulturen sind v.a. das Elch- Alces a. alces (Anm.: Das zahme Verhalten der von den Einheimischen benannten Elchkuh „Matylda“ wurde nur festgestellt, wenn sie ein Kalb führte: War es die gesuchte Nähe zum Menschen als Schutz vor den Wölfen?), Rot-, Rehwild Capreolus capreolusa, Hase und Damwild Dama dama (Neozoen). Aufgrund der flächenmäßig großen Verbreitung und den spezifischen Ernährungsansprüchen verursacht das Rehwild die stärksten Verbiss-Schäden.

Eine Weiserfläche ist eine in der Forstwissenschaft und Forstwirtschaft verwendete wilddicht umzäunte Fläche, die durch den Vergleich mit dem nicht gezäunten Bereich außerhalb eine Beurteilung des Einfluss des Wildes auf die Naturverjüngung des Waldes erlaubt. Das spanische Sprichwort „Wo der Wolf heult, ist der Wald gesund“ oder ähnlich russische „Wo der Wolf is[s]t, da wächst der Wald“ lassen sich davon ableiten, dass die Beunruhigung des Schalenwildes bei Anwesenheit eines Wolfes zu weniger konzentriertem Wildverbiss führt. 

Darüber hinaus kommen u.a. Fegeschäden vor, die in der Regel aber wirt-schaftlich und biologisch nicht besonders ins Gewicht fallen. S.g. Fegespuren haben nichts mit einem Kehrbesen zu tun: stattdessen „fegen“ die älteren Reh-böcke im März/April (bei Jährlingen zieht sich das Verfegen teilweise bis in den Juni) und die Rothirsche ab Juni an Büschen und Bäumen.

Während beim Damwild die Spießer bereits ab Ende Juli bis etwa Mitte August verfegen, befreien die älteren Hirsche erst in der letzten Augustdekade oder Anfang September ihr Geweih vom Bast. 

„Rehbett“ (ff. Foto Mitte + rechts) – so finden sich Ruheplätze häufig an Hügelkuppenrändern oder Hangterrassen. Erhöhte Liegeplätze haben akustische Vorteile, da hier die Hörweite erhöht ist und sie sind stärker bewindet, so dass Rehe potentielle Störer auch schneller riechen.

Der Specht baut sein Nest in Baumstämmen. Dazu klopft er mit dem Schnabel ein Loch hinein (20 Schläge schafft er pro Sekunde). Übrigens: Verlassene Spechthöhlen sind beliebter Wohnraum für eine ganze Menge Nachmieter (z.B. Hornissen, Wespen, Hummeln, Sieben-schläfer, Baummarder, Fledermäuse, Vögel u.a.).

Seine Fraßspuren sind sehr leicht zu erkennen – häufig verrät sie schon die s.g. „Sanduhrtechnik“. Beim Abholzen benagt der Eurasische Biber Castor fiber den Stamm rundum in der Sanduhrtechnik, wodurch sich dieser auf mittlerer Nage- höhe so stark verjüngt, dass der Baum fällt. Je nach Härte des Holzes kann er in einer Nacht einen bis zu 50 cm dicken Baum fällen. PS: In der US-Literatur liest man selten vom Holzfäller, sondern vom Frischwasser-Ingenieur oder vom Staudamm-Baumeister! Vielleicht muss auch bei uns ein Umdenkungsprozess erfolgen, um ihm seinen Lebensraum zuzugestehen. Tipp für Bauhof-Mitarbei-ter: Biber-Schäden in Gehölzen nicht dadurch verschärfen, dass die Hölzer gleich entfernt werden – so muss der Biber für seine Winternahrung weitere Bäume fällen. Auch sollten Drahthosen zum Schutz ufernaher Bäume nicht direkt um den Stamm gewickelt, sondern auf Stamm-Abstand gesetzt werden.

Mitten im Wald stößt man schon mal auf große Löcher im Boden – aus denen evtl. sogar ein strenger Geruch strömt. Dabei kann es sich um einen Dachsbau (ff. Foto rechts: „Rutsche“ im Steilhang – NSG „Strangen“/Biosphärenreservat Schalsee/Mecklenburg-Vorpommern) oder Fuchsbau (häufig auch kombiniert) handeln., so bspw. an der Sandstein-Hügelkuppe auf dem Heiligenberg ober-halb von Schlat. Hier gehen mehrere Eingänge von Dachs und Fuchs in den ca. 100 bis 150-jährigen Bau.

Achtung: Die Spuren von Hunden und Füchsen sind sehr ähnlich.

Rote Waldameisen Formica rufa (BArtSchV-b/R.L.3) sind ausgezeichnete Bau-meister. Aus Pflanzenmaterialien und Erde errichten die Tiere riesige Nest-kuppeln, die bis zu 2 m hoch werden und einen Durchmesser von 5 m erreichen. Ihre großen Nestbauten sind in der Regel an sonnigen Waldrändern zu finden. In einem Ameisenhügel leben zw. 200.000 und 2 Mio. Tiere. Ameisen transportieren Dinge, die 50 Mal so viel wiegen wie sie selbst. Zum Vergleich: Ein Gewichtheber stemmt höchstens das Dreifache seines Körpergewichts. .

Wenn du am Wegesrand ein münzgroßes Loch entdeckst, könnte das der Eingang zum Bau einer Maus sein. Im Wald leben z.B. Feld-, Wald- Apodemus sylvaticus und Rötelmäuse Myodes glareolus, auch Waldwühlmäuse genannt. Kleine Löcher graben übrigens auch Mistkäfer (F: Waldmistkäfer Anoplotrupes stercorosus auf Sprossenden Bärlapp/Wald-/Schlangen-Bärlapp Lycopodium annotinum – er ist eine im Wald häufig vorkommende Art und ist in ganz Deutschland und in Europa zumeist in Buchenwäldern heimisch) – du entdeckst sie in der Regel in der Nähe von Kothaufen. In sein Erdloch bringt der Mistkäfer den Kot und legt seine Eier hinein. Zum ff. F. rechts: Wisent-Fladen: Die Waldmistkäfer ernähren sich von Kot, manchmal auch von Pilzen und Baumsäften.

Sicherlich einer der geringsten Chancen, ihn im Wald zu begegnen. Der Euro-päische (Grau-)Wolf Canis lupus zählt zur scheuen und sehr anpassungsfähigen Wildart, die sowohl in Offenlandschaften als auch Wäldern lebt und seit 1998 in Deutschland wieder heimisch ist. Er gilt als Stammvater aller Hunderassen. Er hinterlässt auf großen Waldkreuzungen häufig seine Kot-Spuren (F: Aus-scheidungsstück 20-30 cm; stets Haare, Borsten, Knochen- und Schalensplitter – Rominter Heide – Revier Leśnictwo Błąkały/Dubeninki), auch an bemoosten Baumstämmen sind mit viel Glück seine Reviermarkierungen mit Urin zu finden. Leichter hat man es in Heidelandschaften und auf ausgedienten Truppenübungsplätzen, wo man auf den Sandwegen manchmal seine Fährten aufspüren kann.

Anmerkung zu den ff. Fotos: Nach 19 Jahren Exkursionen im Revier meines polnischen Försterfreundes im District der (Oberförsterei) Nadleśnictwo Płaska  nahe der Weißrussischen Grenze am 10.2.09 das erste Foto eines Wolfs, und dies gelang auch nur in der s.g. Ranz-/Paarungszeit. 3 Jahre später das zweite Foto am 4.1.12 im Rezerwat Lasy Naturalne Puszczy Białowieskiej (District Oberförsterei Browsk/Hajnówka/ NO-Polen) – insbes. in der Ranzzeit läuft er in einer Nacht bis zu 100 km! Welch ein Zufall – mein begleitender polnischer Ranger und Naturfotograf, der über 20 Jahre dieses Gebiet betreut, gelang noch keine solche Aufnahme.

Zum Abschluss eine besonders knifflige Detektivarbeit für „Junior-Ranger“ (ff. Foto): Wo ist das Trittsiegel vom Wolf?

Quellen: Nina Jacobs (unter Mithilfe des Experten Simon Henrich, Forstwirt-schaftsstudent an der HFR Rottenburg) SÜDWEST-PRESSE/KRUSCHEL 15.7.21, Kerstin Petry „Tieren auf der Spur“ 16.7.21, Andrea Frühauf „Wunder der Natur“ 20.7.20 und Eva Fauth „Tiere im Wald“ 17.9.20; „Fährten und Spuren“ Bestimmungshilfe für Naturfreunde DJV 2023; Hartmut Felgner „Die Rückkehr der Großraubtiere“ pdf und F-Serie; Lars-Henrik Olsen „Tier-Spuren“, blv (ISBN 978-3-8354-1580-3); planet wissen, NABU; Wald.de; Wikipedia; Links zuvor.