Mehr als Badesee und Jahresurlaub – auch im Juli hat die Natur viel zu bieten! Auf Feldern blühen Klatschmohn und Kornblumen, junge Weißstörche trainieren für ihre Reise in den Süden und manchmal „regnet es Frösche“.

Jetzt ist es richtig Sommer, die Natur scheint ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Dennoch ist draußen mehr geboten als Badesee und Jahresurlaub.

Auf den Feldern blühen Klatschmohn und Kornblumen, auf Wiesen der Bärenklau, am Waldrand die Weidenröschen.


Junge Weißstörche verlassen den Horst, üben das Fliegen und scheinen noch etwas unbeholfen bei Starts und Landungen. Jetzt heißt es trainieren für die erste Reise ins afrikanische Winterquartier.



In Tümpeln und Teichen haben sich aus wimmelnden Kaulquappen kleine Frösche entwickelt, die nun zum Landleben übergehen und ihre Laichgewässer verlassen. Der Volksmund sagt zurecht „es regnet Frösche“, wenn hunderte kleiner Lurche unterwegs sind.



Frühmorgens pellen sich Libellen aus ihren Larvenhäuten und schwirren am Ufer von Bächen und Seen oder an Gartenteichen entlang. Die verlassenen Larvenhüllen findet man an Stängeln der Wasserpflanzen.


Zu den Fotos lks.: …die erwachsene Libelle ist bereits aus der Larvenhaut Exuvie geschlüpft; re.: …eine Blaugrüne Mosaikjungfer nach der Metamorphose (F: jeweils Gartenteich in Schlat). Die Metamorphose der Libelle ist eine unvollkommene Verwandlung, die ohne Puppenstadium direkt von der im Wasser lebenden Larve zum flugfähigen Insekt führt. Dieser wochenlange bis jahrelange Prozess vollzieht sich in mehreren Häutungen und endet außerhalb des Gewässers an Pflanzenstängeln, wo die finale Haut aufplatzt und das ausgewachsene Tier schlüpft.
Während an lauen Juliabenden die Glühwürmchen im Garten fliegen (nur ♂♂ des Kleinen Leuchtkäfers leuchten; beim Großen Leuchtkäfer leuchten nur die flugunfähigen ♀♀ am Boden; das Neongrüne Leuchten wird durch eine chemische Reaktion erzeugt, die Chemoluminiszenz genannt wird – als Garten-partygag sind mit ähnlichem Prinzip Knicklichter bekannt), verabschieden sich weitgehend unbemerkt bereits die ersten Zugvögel Richtung Süden. i Hinweis: Die bis zu 4 cm großen Käferlarven findet man auch im Garten überall da, wo sich tagsüber Nacktschnecken sammeln, etwa unter Holzbrettern auf Wegen unter Gemüsebeeten – die Larven ernähren sich von diesen. Die Schnecken werden angebissen, dann wird ihnen ein Gift injiziert, die Larve frisst die inneren Weichteile der Schnecken. Durch die Verwendung von Giften bei der Schneckenbekämpfung sterben auch die Leuchtkäferlarven. Daher sollte man auf solche Gifte verzichten und die Schneckenbekämpfung durch Absammeln, Lockfallen mit Bier oder Schneckenzäunen versuchen.



Mauersegler (F: ZDF-Sendung 5.7.26), Schwarzmilan, Turteltaube, Alpen- und Sichelstrandläufer machen sich nach und nach auf den Weg; viele Kuckucke sind sogar schon im Juni gestartet.

Wie bei Hitchcock… Für Schlagzeilen sorgt in diesen Tagen immer wieder ein Greifvogel: Gefährliche Bussarde attackieren Jogger im Wald! Doch der häufig angestellte Hitchcock-Vergleich hinkt, denn die Mäusebussarde führen keine bösen Absichten im Schilde, sondern reagieren einfach mit dichtem Überfliegen gegen Störenfriede im Brutrevier.


Führt ein Waldweg zu nah an Nest oder Jungvögeln vorbei, kann es dort gehäuft zu solchen Angriffsflügen kommen. Die verlaufen in den allermeisten Fällen glimpflich, denn der Bussard baut bei den Angriffsflügen auf respektable 120 Zentimeter Spannweite, sein Fluggeräusch und deren Furcht einflößende Wirkung Verletzungen durch Krallen oder Flügel sind selten, zufällig und unbeabsichtigt. In dieser begrenzten Phase sollten Jogger respektieren, dass Mäusebussarde des Nachwuchses wegen ihr Revier behaupten und einfach einen Umweg laufen – das ist gesund und schont die Nerven von Mensch und Vogel.
Natur-Etikette im Juli

→ Vögel und Insekten nehmen im Sommer besonders gerne eine Tränke zum Trinken/Baden an. Sie ermöglicht schöne Beobachtungen und Vogelerlebnisse. Tipp: Ein ins Wasser deponierter flacher Stein hilft gegen das Ertrinken von Insekten.
→ Denken Sie auch bei Fernreisen an die Natur und bringen Sie keine Natur-Souvenirs mit. So gefährden Sie die Natur des Gastlandes nicht und ersparen sich im Fall geschützter Arten Probleme bei Zollkontrollen.


Zum typischen Bild der reifenden Getreidefelder gehören die scharlachroten Blüten des Klatschmohns. Seit der Steinzeit ist der Mohn eine typische Begleitpflanze des Getreides. Aufgrund der heutigen Landbewirtschaftung findet man ihn jedoch in vielen Gegenden kaum mehr im Feld, häufiger blüht er mittlerweile auf bewuchsfreien Stellen der Straßenränder. V.a. in den Morgen-stunden bieten Mohnblüten ihre Pollen den bestäubenden Insekten an. Mit über 150 Staubblättern zählt Klatschmohn zu den üppigsten Pollenproduzenten. Mohnsamen reifen in der schwarzen Mohnkapsel heran und werden durch den Wind aus deckelnahen Öffnungen geschüttelt und im Umkreis meterweit verteilt.




Tipps zur Insektenbeobachtung im Juli – Immer mehr Gezirpe, immer mehr Geflatter: Die bunte Vielfalt der Sechsbeiner lässt sich fast das ganze Jahr über erleben. Ganz besonders auffällig aber ist das bunte, breite Artenspektrum im Sommer. Entdecken sie die Highlights im Juli.
Linden sind in Deutschland die häufigsten Straßen- und Alleebäume. Wer Anfang Juli unter einer solchen Lindenallee hergeht, hört es kräftig summen und brummen. Es ist Blütezeit, unzählige Insekten schwirren in den Baum-kronen, darunter Bienen und Hummeln. Wenn die Sommerlinden ihre Blüten öffnen, fängt laut phänologischem Kalender offiziell der Hochsommer an. Am Oberrhein ist das meist bereits unmittelbar nach Ende der ersten Insekten-sommer-Etappe Mitte Juni der Fall. Bis zum Monatsende blühte es auch in den Mittelgebirgslagen sowie an der Küste, rund zwei Wochen nach der Sommer-linde setzt dann die Blüte der Winterlinden ein.






Ideal für die Insektenbeobachtung sind Linden allerdings nicht. Vom geschäftigen Leben oben in den Baumkronen hört man viel und sieht wenig. Wo also sonst schauen? Wer einen Garten hat, muss da nicht lange überlegen. Mit etwas Kenntnis und Umsicht lässt sich auch ein kleiner Garten so insektenfreundlich gestalten, dass er mit vielen natürlichen Lebensräumen mithalten kann.


Im Garten beginnt jetzt die hohe Zeit der Sommerstauden. Und soweit es sich um ungefüllte Blüten handelt, ist Insektenbesuch garantiert. Das können Ritter-sporne sein, Kandelaber-Ehrenpreis oder Boretsch aus dem Nutzkräuterbeet. Spannend sind Lippenblütler wie Ziest, Betonie und Knollen-Platterbse. Besonders beliebt sind Ziest und Betonien bei Wollbienen, die hier nicht nur Nahrung finden, sondern in Form von abgeschabten Pflanzenhaaren auch Baumaterial. Knollen-Platterbsen wiederum ziehen Hummeln und Holzbienen magisch an, auch Glockenblumen sind bei ihnen beliebt. Wer die spektakulären Taubenschwänzchen, s.g. Kolibrifalter, anlocken möchte, sollte auf Flammen-blumen Phlox, Fuchsien oder Sommerflieder setzen.




Korbblütler wie die Artischocke werden von Taubenschwänzchen ebenfalls gerne angeflogen. Damit wären wir bei einer Pflanzengruppe, die jetzt „draußen“ an Wegrändern, auf Brachen und Magerrasen ihre große Zeit hat. Dazu gehören Disteln und Kratzdisteln aller Art, Flockenblumen und Rainfarn. Hinzu kommen Doldenblütler wie Wilde Möhre, Wiesen-Bärenklau und Pastinak. Letztere sind mit ihren offenen Scheibenblüten ideal für Insekten mit kurzen Mundwerkzeugen, also etwa Fliegen, Schwebfliegen oder Käfer.










Auch Bienen und Wespen tummeln sich dort, sie kommen aber mit vielen Blütentypen zurecht. Im Zweifelsfall tauchen sie halt ganz weit in die Blüten ein. Schmetterlinge haben dank ihrer langen Rüssel mit tief liegenden Nektarquellen ohnehin keine Probleme.





Zum Distelfalter Cynthia cardui: Er erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 50 km/h bei einer Flughöhe bis zu 1 km. Die Wanderschaft erstreckt sich über 15.000 km und umfasst mehrere Generationen.
Neben Bienen und Hummeln sind Schmetterlinge wohl die beliebtesten Insekten. Hier hat sich im Verlauf der Sommerwochen einiges verschoben. 2026 ist als Schmetterlingsjahr nur schleppend angelaufen, aber nun sind doch mehr Schmetterlinge unterwegs als im Juni. Das liegt daran, dass viele der typischen Frühjahrsarten bereits mit der zweiten Generation des Jahres aufwarten.




i Hinweis: Der Zitronenfalter Gonepteryx rhamni gehört mit Überwinterung zu den langlebigsten Schmetterlingen. Seine besondere Winterhärte verdankt der Zitronenfalter einen körpereigenen Frostschutzmittel. Durch das eingelagerte Glyzerin gefriert die Körperflüssigkeit nicht.

Dazu gehören u.a. Admiral, Tagpfauenauge, Zitronenfalter und Kleiner Fuchs. Grünader-Weißlinge machen sich zunächst etwas rar, aber hier beginnt ebenfalls Stück für Stück die Sommergeneration zu fliegen. Dagegen ist bei den Aurorafaltern bereits Saisonende, die Nachkommen veringen den Rest des Jahres als Puppen.


Stark im Kommen sind Kleiner und Großer Kohlweißling. Sie werden bei der zweiten Zähletappe des Insketensommers deutlich vorrücken. Wer genau hinschaut, wird unter den Weißlingen vor allem im Osten auch die unterseits grünlich gemusterten Resedaweißlinge entdecken. Eher im Süden und Westen kann man auf Karstweißlinge treffen. Ihre schwarzen Flügelmarkierungen sind etwas eckiger als bei den Kohlweißlingen. Diese Mittelmeerart findet man in Deutschland erst seit wenigen Jahren, Nachweise gibt es inzwischen aus der ganzen Republik.





Ebenfalls weitgehend in schwarz-weiß, aber kein Weißling, ist das Schachbrett. Dieser Sommerfalter mit nur einer Generation pro Jahr ist erst seit Ende Juni unterwegs, ähnlich das in vielen Regionen recht häufige Große Ochsenauge. Bläulinge wie den Kleinen Feuerfalter und den Faulbaumbläuling kann man dagegen dank mehrerer Generationen im Jahr schon seit dem Frühling sehen. Die Spanische Flagge bzw. der Russische Bär, Schmetterling des Jahres 2025, ist durch die Klimaerwärmung auch bei uns aber immer wieder mal anzutreffen.







Der Gartenteich… die Freilichtbühne für Libellen-Auftritte – Wenn Libellen zutraulich werden: Einen relativ späten Start ins Jahr haben viele Libellen. Hier ist jetzt deutlich mehr Verkehr im Luftraum als noch Anfang Juni.






Wenn man sie nicht gerade noch etwas steif im Frühtau aufspürt, sind Arten wie die Mosaikjungfern und Königslibelle allerdings kaum mal in Ruhe zu betrachten. Bessere Chancen gibt es bei vorsichtiger Annährung bei manchen Heidelibellen. Andere, wie Blaupfeil und Plattbauch, sonnen sich gerne auf ruhigen Feldwegen, auch weitab vom nächsten Gewässer.





Zu den Fotos – seltene Gäste am Gartenteich: lks.: Eine Ringelnatter im Gartenteich ist ein Zeichen für ein gesundes, naturnahes Ökosystem. Die ausgezeichneten Schwimmer jagen dort nach Kaulquappen, Fröschen und Fischen. Die ungiftigen, streng geschützten Tiere sind sehr scheu und flüchten meist schon, wenn sie Erschütterungen wahrnehmen. F – re.: Blindschleiche. Sie kann gut schwimmen und geht bei Bedarf ins Wasser. Oft fallen sie versehentlich in Gartenteiche oder flüchten vor Feinden. Da sie jedoch wechselwarme Echsen sind, kühlen sie im Wasser schnell aus und können ertrinken, wenn sie an steilen Ufern keinen Ausweg finden (also einen abgeflachten Ufersteg anlegen, gfls. eine Steinstufe bauen oder als Ausstieg einen dickeren Ast schräg ins Wasser legen)! 2. Reihe lks.: Der Grasfrosch ist ein sehr anpassungsfähiger Landbewohner, der feuchte Gebiete wie Feuchtwiesen, lichte Wälder, Moore, Parks und Gärten besiedelt. F re.: Die Erdkröte lebt den Großteil des Jahres an Land, weshalb sie ein extrem nützlicher Helfer bei der natürlichen Schädlingsbekämpfung im Garten ist!








Vergleichsweise gut stehen die Chancen bei Kleinlibellen wie Azur- und Becherjungfern, Granataugen, Pechlibellen oder Federlibellen. Gerade letztere schweben mehr, als dass sie fliegen, und lassen sich so mit dem Auge gut bis zur nächsten Landung verfolgen. Unabsichtlich aufgestöberte Libellen kehren oft nach kurzer Zeit wieder an den alten Ruheplatz zurück. Wer sich in der kurzen Zwischenzeit nicht bewegt, wird auch nicht mehr als Störung empfunden. Beobachtungen aus allernächster Nähe sind dann der Lohn.

Quellen: NABU News 9.7.26; Auszug SWP/HEIMAT/Aus der Welt der Insekten/Martin Demoix 4.7.26; Wikipedia/KI.