Der Rotfuchs – Reihe: Tiere in der Stadt

„Reineke Fuchs“ …wurde schon von dem Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe beschrieben (F: beim Hof Seyfang, Hohwiesen Schlat).

Nachrichtlich: Dachs. „Der Fuchs wird für seine sprichwörtliche Schläue, seine Gewandtheit und Anmut geliebt. Doch zu Beginn seines Lebens ist dieser geheimnisvolle, hellwache Athlet bloß ein blindes und taubes Knäuel mit schokoladenbraunem Fell“, erklärt die britische Ökologin Adele Brand (Anm.: …deren Studien auch in den polnischen Białowieża-Urwald führten) in ihrem Buch „Füchse – Unsere wilden Nachbarn“ (ISBN 978 3 406 75113 4).

Überfamilie „Hundeartige“ mit Hermelin (F: Kirchenfriedhof Nesseby/N) , Vielfraß (F: N.P. Urhu Kekkonen/FIN), Fischotter (F: Fluss „Otava“/Šumava N.P./CZ), Waschbär (F: NSG Niederspreer Teichgebiet/SN), Kegelrobbe (F: Robbenstation der Uni Danzig in Hel/PL), Seehund (F: West-küstenpark St. Peter-Ording/SH)), Braunbär (F: Karhunpolku/Bärenpfad Nord-Karelien/FIN) / Reihe „Rückkehr der Großraubtiere“

Der Fuchs in der Ordnung der Raubtiere: In der weit verzweigten Abstammungslinie der Raubtiere nimmt der Fuchs in der Familie der Hunde seinen Platz ein. Sogar Bären, Kleinbären, Robben, Walrosse, Marder, Skunks und Kleine Pandas gehören zu seinen Verwandten. Zu den Echten Hunden zählen der Wolf mit Untergattung Haushund, Goldschakal, Kojote u.a.; zu den Echten Füchsen gehören Rot-, Polar- Steppenfuchs u.a. (z.B. Andenfüchse und weitere Gattungen).

Meist kommen die drei bis sechs Welpen im April zur Welt (jedes wiegt so viel wie eine Tafel Schokolade) – gut geschützt im unterirdischen Bau. Aber die klei-nen Welpen wachsen schnell. „Fuchsmilch hat in etwa den gleichen Fettgehalt wie menschliche Muttermilch, enthält aber weit mehr Proteine, nämlich 6,7 % statt 0,8 %“, so Brand. Kein Wunder, dass Füchse bei so nahrhafter Milch nach rund einem Monat schon erste Schritte ins Sonnenlicht wagen. Siehe auch „Alles zum Fuchs“ JÄGER 27.9.25.

Schon gewusst? 80 Gramm wiegen die kleinsten Welpen bei der Geburt; das graubraune Babykleid färbt sich langsam orangerot. Ausgewachsen kann der Fuchs rund sieben Kilo erreichen. Das graubraune Babykleid färbt sich langsam orangerot. Im Frühjahr gehen Fuchswelpen erstmals auf Entdeckungstour. Dabei lernen sie alles, was sie fürs Leben brauchen. Die Geschwister erkunden ihre spannende Umgebung stets gemeinsam.

F: …von der Heiligenbergstraße zum Wegkreuz Richtung Wasserberg, Schlat.

Von allen wild lebenden Raubsäugern hat er das größte Verbreitungsgebiet weltweit; es erstreckt sich fast über die gesamte Nordhalbkugel. Bei uns sind sie nahezu überall, insbes. in deckungsreichen Wald- und Parklandschaften häufig verbreitet. Von Biologin als Kulturfolger eingestuft (so bezeichnet man Tier- und Pflanzenarten, die sich an vom Menschen geprägte Lebensräume angepasst haben und davon profitieren, wie bspw. Tauben, Raben- und Krähen, Ratten, Eichhörnchen, Waschbären, Stubenfliegen) findet man sie in Städten, Dörfern, landwirtschaftl. Flächen oder Industriegebieten, Friedhöfen bzw. als s.g. „Stadt-füchse“ selbst in Großstädten.: Berlin gilt als Deutschlands „Fuchsmetropole“ . Hier leben nicht nur rund 3,9 Mio. Menschen, die Hauptstadt ist auch bei Füchsen äußerst beliebt. Geschätzte 5. – 12.000 Tiere sollen dort mittlerweile ein Zuhause gefunden haben Vorteil des Stadtlebens ist, dass es auch im Winter schier unerschöpfliche Futterreserven und außer den dort ebenfalls häufig vorkommenden Schwarzkitteln fast keine natürlichen Fressfeinde gibt. An manchen Straßenlaternen Berlins kann man, solange es nicht zu kalt ist, Füchse beobachten, die es auf herabfallende Insekten abgesehen haben. Leichter kann die Nahrungsbeschaffung für ein „Raubtier“ kaum sein.

Für viele Tiere, die keinen Winterschlaf halten, stellt das Überleben im Winter eine besondere Herausforderung dar, so auch für den heimischen Rotfuchs. Wie viele Säugetiere, so wechselt auch er zweimal im Jahr sein Fell. In der kalten Jahreszeit ist die Behaarung deutlich dichter als im Sommer. Das Winterfell beginnt ab Oktober zu wachsen. Eine typische Verhaltensweise ist das Zusammenrollen bei frostigen Temperaturen. Auf diese Weise wird die Körperoberfläche minimiert und der buschige Schwanz kann den den Körper wie eine Decke umschließen. Besonders seine Spuren im Schnee verraten seine Anwesenheit:

Fuchsfährte „schnürend“ (Foto lks.): Im Trab treten die Hinterpfoten in die Ab-drücke der Vorderpfoten, sodass es aussieht, als seien sie auf einer unsichtba-ren Schnur aufgereiht – man sagt, der Fuchs „schnürt“. Trittsiegel (F: rechts): Die Ballenabdrücke der zwei vorragenden Zehen liegen auf einer Höhe mit dem Krallensansatz der seitlichen Zehen. Beim Hund (F: darunter lks.) reichen die Ballen darüber hinaus (überlappend – breiter und meist größer) und Krallen-abdruck; Katze (Foto rechts): Kompakte Ballenabdrücke ohne Krallen.

Die Jagdtechnik von Füchsen im Schnee: Bei ihnen ist eine besondere Art bekannt, Mäuse unter einer dicken Schneedecke zu erlegen. Dank ihrer empfindlichen Ohren sind sie in der Lage, die Nager sogar in ihren Gängen unter dem Schnee zu hören. Hat ein Fuchs seine Beute lokalisiert, springt er hoch in die Luft, um dann mit der Schnauze voran durch den Schnee zu stoßen. Die Erfolgsquote dieser Kopfsprungtechnik (s.g. Mäuselsprung) ist jedoch vergleichsweise niedrig.

Zur Hauptnahrung des Fuchses zählen in freier Wildbahn vorwiegend kleine Nager, v.a. Wühlmäuse – aber auch kleine Vögel. Tauben, Hühnervögel u. deren Eier. Er kann ausgewachsene Hasen und Rehe sowie deren Junge reissen, wenn sie geschwächt sind. Aber auch Verkehrstote, wie Fallwild, wird verzehrt (häufig trennt er auch Kopf/Haupt und Läufe und versteckt sie als Nahrungsvorrat) wie auch das für Haustiere, Vögel und Igel ausgelegte Futter. Im Sommer stehen Regenwürmer, Insekten, Früchte und Beeren ebenfalls auf dem Speiseplan. Oft haben sie keine scheu, ihr Futter auf Schulhöfen, in Gärten und Mülltonnen zu suchen. Durchwühlter Müll muss aber nicht unbedingt auf das Konto eines Fuchses gehen. Auch andere Tiere, wie etwa der seit den 1930er Jahren in Deutschland heimische Waschbär können bei mildem Winterwetter hier am Werk gewesen sein.

Besonderheit: Hauptüberträger vom „Fuchsbandwurm“ (letzter Tollwutfall in D bei einem Wildtier ’06 + BW ’05 bei einem Fuchs, …Nutztier ’08 und 9/2021 bei einem illegal importierten Hundewelpen („Tollwut – Gefahr für Mensch und Tier“ aid 1028/1998); seit ’11 werden Fälle von Staupe, einer Viruserkrankung, landesweit erfasst). Obwohl sie quasi unsere Nachbarn sind, ist vieles an ihrem Sozialleben noch unklar. Einzelgänger oder Familientiere? „Es gibt wohl beide Varianten“, sagt Dr. Andreas Kinser (Deutsche Wildtierstiftung), „manchmal verschwindet der ♂ nach der Paarung, und das ♀ versorgt den Nachwuchs problemlos allein, bzw. beteiligt sich auch der Vater an der Aufzucht (Anm.: häufiger bei den Stadtfüchsen).“ – Füchse sind also auch beim Familienleben flexibel.

Füchse und der Bandwurm breiten sich aus: Die Schwäbische Alb ist s.g. Hochendemiegebiet. Füchse tragen den Parasiten hier öfter in sich als im nationalen Vergleich. Das kann zum Problem werden. Auszug Michl-Felix Bier NWZ 25.8.25). Was ist alveoläre Echonokokkose? Auch im Menschen kann sich die Larve des Fuchsbandwurms ansiedeln und die Erkrankung auslösen. Der Parasit wächst zwar im Menschen sehr viel langsamer als in den natürlichen Zwischenwirten – so treten erste Symptome z.T. erst nach 10 oder mehr Jahren auf – trotzdem kann die Erkrankung unbehandelt tödlich verlaufen. Der Parasit wächst in das Lebergewebe ein. Dabei wird Gewebe verdrängt und zerstört, Sodas es u.a. zur Leberzirrhose kommen kann. Behandelt wird die Erkrankung mit wachstumshemmenden Medikamenten. In einigen Fällen kann eine operative Entfernung erforderlich sein. (Quelle wie vor).

Hunde und Katzen können sich über den direkten Kontakt zu Füchsen oder an Fuchsbauten mit der Fuchsräude anstecken. Diese Milbenkrankheit, die starken Juckreiz auslöst und für den Fuchs tödlich ist, kann bei Katzen und Hunden gut behandelt werden. (Wiki).

„Mäuselsprung“ – die Zahl der von Füchsen gefressenen Mäuse (ca. 30 kg jährlich) ist enorm, dabei machen diese lediglich einen Anteil von 21 % der aufgenommenen Biomasse aus (F: in Schlat).

Junge Füchse sind sehr verspielt und neugierig, betont Experte Kinser. „Spielen ist für sie die Schule fürs Leben. So bereiten sie sich auf Revierkämpfe, auf die Jagd und aufs Verstecken vor.“ Weil Füchse ihre Beute stets allein fressen, kämpft schon der Nachwuchs um jeden Happen. “ Meiner Erfahrung nach hat ein durchschnittliches Fuchsjunges die Energie von zehn Hundewelpen“, so Ökologin Adele Brand. Doch der spielerische Crashkurs in Sachen „Überleben“ dauert nur wenige Monate. Spätestens im Herbst verlassen sie ihre Eltern und gehen auf die Suche nach eigenen Revieren und Paarungsgefährten. (Wiki; GEO „Wildtiere erobern die Stadt“ Jana Kühle 25.1.10; Kai Ridemann „Kleine Füchse – Große Abenteuer“ TVdirekt 2020; GEOlino 10/2017 und Tierlexikon; „Wild-tiere in der Stadt – das müssen sie beachten“Das Erste/BRISANT 29.4.23; HF – Großraubtiere.Anh.I.pdf).  

Weil der Rotfuchs so schlau ist, nennt man ihn auch Reineke. Das bedeutet: der durch seine Schlauheit unüberwindliche! Der Rotfuchs ist die einzig vor-kommende Fuchsart in Deutschland. 

Füchse sind sehr anpassungsfähig an ihren Lebensraum, bewohnen in der Regel Erdbaue, die sie selbst graben oder von anderen Tieren wie z.B. den Dachs übernehmen. Man findet sie aber auch direkt unter Häusern, Schuppen und Holzbeugen. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv (zur Ranz♥zeit Jan./ Febr. und Jungenaufzucht vermehrt tagaktiv), vorsichtig und reaktionsschnell, können gut schwimmen und klettern und bei der Nahrungssuche weite Strecken zurücklegen. 

Nicht immer lebt ein Fuchs allein in seinem Bau; es kann auch schon vorkom-men, dass er sich seinen Bau mit einem Dachs  oder Iltis teilt. Ein Fuchs/Dachs-bau in Neuburg/Donau hatte auf einer Fläche von 800 m2 18 Eingänge; insge-samt war der Bau bis 3,30 m tief und durch 30 m lange Röhren unterirdisch vernetzt NANO 15.12.11/TU München. 

Der Eis-/Polarfuchs kommt in unseren Breiten nicht vor, sondern hat seinen Lebensraum vorwiegend in einem Gebiet, das von Südnorwegen bis in die russische Kola-Halbinsel reicht, sowie auf Island.

…ein jeder kennt das Kinderlied ♫♫♫Fuchs du hast die Gans gestohlen“ (F: nahe der Schäferei Hert-ler, Nordalb)

Fuchs im Garten? Was zu tun ist: Wo Menschen leben, lebt es sich oft auch für Füchse gut – scheu sind sie dabei selten. Was bedeutet dass für den Umgang mit ihnen? Füchse in der Stadt reagieren oft nicht so scheu auf Menschen wie es ihre Artgenossen in einem entlegenen Waldstück tun würden. „Sie bleiben in der Stadt teils stehen und gucken“, sagt Claudia Harnisch vom Berliner Waldtiertelefon, bei dem täglich Menschen wegen Füchsen anrufen. Etwa, weil ihnen diese Nähe zu den Tieren unheimlich ist oder sie sogar Angst haben. Harnisch rät in diesen Fällen nach eigenen Worten immer „Genießen Sie den Anblick.“ Der Fuchs sei eines unseren schönsten heimischen Wildtiere, sagt sie. „Ich beneide jeden, der diesem ansichtig wird.“ Wer sich dennoch unwohl fühlt bei der Begegnung, sollte Ruhe bewahren, sich groß machen und den Fuchs einfach weiter beobachten. „In der Regel staut er kurz und dreht dann ab.“ Wer einen schwerkranken, offenbar leidenden Fuchs auffindet, der nicht mehr mobil it, wollt sich dem NABU zufolge an die örtliche Polizeidienststelle wenden. Die Beamten oder ein hinzugerufener Stadtjäger könnten dann eine Nottötung vornehmen. Bereits tote Füchse auf öffentlichen Flächen sind dem Ordnungsamt zu melden. Auf Privatgrundstücken müssen sich Eigentümer um die Entsorgung kümmern und bspw. spezialisierte Abholdienste beauftragen.(Auszug SWP/RATGEBER GARTEN/Tom Nebe/dpa 8.1.26)

Tipp: In Sachen ungebetener Wildtier-Gäste in Haus, Garten, Betrieb, Park & Schwimmbad kümmern sich die nach § 13a JWMG geprüften Stadtjäger im Landkreis Göppingen: Pfeffer & Frey Wildtiermanagement GbR  (für Gingen, Bad Boll, Bad Ditzenbach, Uhingen), Tel. 07161 – 9413169, kontakt@stadtjagd-gp.de; Ulrich Merkel (nur für Göppingen SÜD + Jebenhausen), Mobil: 0171 480 4471, ulrich.merkel@t-online.de; Edmund Maier (Uhingen + Nachbarorte), Mobil: 0176 2167 3087, maier.utedi@web.de.

Nachrichtlich:

Dachs Meles meles ist ein Raubtier aus der Familie der Marder (volkstümlich v.a. in der Fabel – als „Grimbart“ bezeichnet). Er ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Lebt in Familiengruppen, selten als Einzelgänger; sehr flexibel in der Sozialstruktur. Dachse legen umfangreiche u. weit verzweigte Bausysteme an, meist an Hängen mit grabfähigem Substrat. Darin leben sie (in s.g. Dachs-burgen auch mit dem Fuchs zusammen) in Familienverbänden (meist in Dauer-ehe), häufig gemeinsam mit mehreren Generationen. Die Winterruhe ist tempe-raturabhängig. Längere Schlafperioden zw. Nov. und März sind möglich.

Dachs Wildunfall (F: von der Heiligenbergstraße zum Wegkreuz Richtung Wasserberg, Schlat).
Dachsbau mit „Rutsche“ im Steilhang – südwestliche Uferseite des Kirchensees (F: NSG „Strangen“ / Biosphärenreservat Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern…).

Er dringt zunehmend in urbane Siedlungsbereiche vor, wo er hohe Bestands-dichten erreichen kann. Der Fortpflanzungserfolg ist stark nahrungs- und dichteabhängig. Für BW wird eine durchschnittliche Zahl von 2,8 Welpen pro Wurfbau angegeben. Menschen gegenüber ist der bis zu 90 cm lange und max. 20 kg schwere Allesfresser sehr scheu und ein gesundes Exemplar sucht weder Kontakt noch Konfrontation. Was, wie bei jedem Wildtier, für Mensch u.a. Tiere gefährlich sein kann, ist ihr Kot. Dort können Viren und Bakterien enthalten sein, die Krankheiten sowohl auf den Menschen als auch auf Haustiere über-tragen können, Stichwort Zoonosen.  („Tierspuren“ Bar Henrik Olsen ISBN 970-3-8354-1580-5; Wikipedia, haus.de, BW-Wildtierbericht 2021; SWP/WISSEN / Deutsche Wildtierstiftung, NABU, RBB, ARD – Planet Wissen, Discovery, DJV, naturblick.museumfuernaturkunde.berlin 3.1.26). Siehe auch LNV-AK GP /Merkblätter – Touristik-Naturschutz-Aktionen!