
Nachrichtlich: Wildkaninchen. Die Ordnung der Hasentiere ist bei uns durch die Familie der „Echten Hasen“ (Hasen und Kaninchen) vertreten. Sie sind Pflanzenfresser und besitzen, im Gegensatz zu den Nagetieren, hinter den zwei oberen Nagezähnen noch je einen kleinen stiftförmigen Schneidezahn. Der Feldhase zählt zu den größten Hasenartigen Europas und ist ein faszinierendes Tier – er ist nicht nur ein Meister der Tarnung mit einem ausgezeichneten Gehör, sondern auch ein exzellenter Sprinter mit einer ausgefeilten Flucht-technik, den so schnell keiner einholt. Hasen leben in offenen Landschaften und sind dämmerungs– u. nachtaktiv. Tagsüber drücken sie sich flach in Erdmulden, den „Sassen“. Dort harren sie bei Gefahr so lange wie möglich aus, erst im letzten Moment ergreifen sie Haken schlagend die Flucht. Die Tiere können dabei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h erreichen und bis zu 2 m hoch springen. Sie hören sehr gut, haben nahezu Rundumsicht und nehmen v.a. Bewegungen wahr. Noch vor einigen Jz. war er ein häufiger Bewohner BW’s. Als Charakterart der Feldflur kam er in relativ hohen Dichten in ganz Mitteleuropa vor, allerdings sind die Bestände in den letzten Jahrzehnten überall stark zurückgegangen: Man geht davon aus, das starke Lebensraumveränderungen, v.a. durch die Intensivierung der Landnutzung europaweit zu dramatischen Bestandseinbrüchen geführt haben. Im Zuge dieser Entwicklung kam es zu Nahrungsmangel u. dem Verlust von Deckungsstrukturen in der Landschaft sowie zu einem erhöhten Energieverbrauch, u.a. hervorgerufen durch den vermehrten Bewegungsaufwand bei der Nahrungssuche. Außerdem wirken sich zahlreiche Krankheiten (Hasenpest Tularemie, European Brown Hare Syndrom, Pseudotuberkulose, Pasteurellose) auf die Bestandsdynamik der Feldhasen aus und diese stehen in einem Kontext mit dem Klimawandel.
i Das Friedrich-Loeffler-Institut rät, tote oder auch lebendige Wildhasen nicht anzufassen und wildlebende Nagetiere nicht zu berühren, zu streicheln oder einzufangen. Kranke Hasen seien meist apathisch, verlieren Scheu und Flucht-drang, haben Fieber und eine hohe Atemfrequenz. Innerhalb von 2 – 13 Tagen verenden die meisten Tiere an einer Sepsis. Vorsicht sei auch bei Hundehaltern geboten, Auch wenn es unwahrscheinlich sei, dass Hunde sich mit dem Erreger anstecken, sollte man darauf achten, die Tiere vom Wild fernzuhalten. (Andreas Zauderer „Hasenpest: Jetzt hat es auch den Landkreis erwischt“ NWZ 5.12.24).
i Dem Robert-Koch-Institut ‚RKI‘ zufolge ist im Nachhinein häufig nicht feststellbar, auf welchem Weg sein ein Mensch mit dem Erreger infiziert hat. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei nicht bekannt, sei aber auch nicht sicher auszuschließen (Moritz Clauß „Mehrere Tiere infiziert“ SWP/SÜDWEST-UMSCHAU 14.6.25).



Der Feldhase ist sehr scheu und lebt meist nachtaktiv als Einzelgänger. Er be-vorzugt warme, trockene und offene Flächen mit einer guten Rundsicht. Seine Sasse wählt der Feldhase so, dass er sein Umfeld möglichst weiträumig über-blicken kann. Im Winter lässt er sich in seiner Sasse sogar einschneien. Um mögliche Feinde zu täuschen, nimmt der schnelle Sprinter auf dem Weg zu seiner Sasse häufig Umwege in Kauf. Letztlich an seiner Sasse angekommen, macht er einen großen Sprung hinein, um seinen Feinden keine Duftspur zu hinterlassen. Auch das ist eine Besonderheit: Feldhasen haben an den Pfoten keine Duftdrüsen. Sie sind standorttreu und behalten ihr Revier ein Leben lang.

Seine Spur ist unverwechselbar. Er setzt seine Hinterläufe vor die Vorderläufe. Seine Sohlen sind mit Fell bedeckt und hinterlassen im Schnee undeutliche Abdrücke seiner Ballen (tierspuren.at).


Feldhase in Wohnungsnot: Aufgrund des Lebensraumverlustes in der Agrar-landschaft ist er gezwungen, neue Lebensräume in dichter besiedelten Berei-chen zu erschließen. Wie viele andere Wildarten leidet auch er unter der Zer-schneidung der Landschaft durch Straßen. Seit etwa 15 Jahren wird die Land-flucht der Feldhasen in die Städte beobachtet. Dort treffen sie auf die schon länger ansässigen Kaninchen, die selbst auf kleinen Grünflächen zu finden sind. Hasen und Kaninchen kommen mit dem Menschen nicht ins Gehege. Die Stadt bietet für Hasen aber nicht nur viele Versteckmöglichkeiten: Hier herrschen meist auch mildere Temperaturen als auf dem Land, das Nahrungsangebot ist größer, sie werden nicht gejagt und es gibt weniger Feinde. (Quellen: u.a. Wild-tierbericht 2021 BW/Wildtierarten des Entwicklungsmanagements; „Im Wald und auf der Heide“ – Eine Bestimmungstafel der verbreitesten heimischen Wildarten LJV BW; Auszüge SWP/magazin AM WOCHENENDE/Yasemin Gürtanyel 3.4.21; Steckbrief der Deutschen Wildtierstiftung, Manfred Ronzheimer „Landflucht der Feldhasen“taz 14.4.22, „Ein Feldherr auf dem Rückzug“ GEO 4/1995; „Wildtiere in der Stadt – das müssen sie beachten“1 Das Erste/BRISANT 29.4.23; siehe Merkblatt Leistungsabzeichen Natur „Fuchs und Hase“).

Schon gewusst? Nirgendwo in Deutschland leben statistisch so viele Hasen auf einer Fläche wie in den großen Stuttgarter Parks. Die Stadt ist ein regelrechtes Hasen-Mekka: Während sich in BW im Schnitt mehr als 15 Feldhasen auf 100 ha Fläche tummeln, hoppeln im Rosensteinpark, Schlossgarten und der Wilhelma (etwa 120 ha Fläche) über 100 Hasen durch die Gegend. (StN.de; siehe auch „Zahl der Feldhasen legt wieder zu“ SWP/Südwestumschau/dpa 15.4.25; siehe auch Postillon-Glosse 😜)!

Kaninchen und damit auch das Wildkaninchen gehören zur Familie der Hasenartigen und sind in Europa, Australien und Neuseeland sowie auf einigen Pazifik-Inseln und in Südamerika verbreitet; in Europa lebt nur das Europ. Wildkaninchen. Sie leben in Kolonien. Oft handelt es sich um Familienverbände bestehend aus mehreren ♂ ♂ und ♀♀ sowie den Jungtieren. Dominant ist ein ♂, das das Paarungsvorrecht hat. Die Tiere bevorzugen sandige Böden und graben dort Baue, deren Röhren sie über die „Einfahrt“ erreichen und über die „Ausfahrt“ wieder verlassen. Das umfangreiche Gängesystem reicht 2 – 3 m tiefeins Erdreich und kann ein Gebiet von bis zu 100 Quadratmetern umfassen. Der Aufenthaltsraum im Bau ist der „Kessel“.

Der Nachwuchs wird in der „Setzröhre“ (etwa armlang) zur Welt gebracht. Der Eingang zu dieser Röhre wird vom Muttertier jeweils nach dem Verlassen wieder sorgfältig verschlossen. Die Jungen kommen nackt und blind zur Welt. Nach etwa 2 Wochen öffnen sich die Augen. Insges. werden Jungkaninchen rund 4 Wochen lang gesäugt. Nach bereits 5 – 8 Mon. sind sie geschlechtsreif – die ♀ etwas früher als die ♂. Die Kaninchenhäsin ist nach dem „Setzen“ (Geburt) erneut fortpflanzungsfähig und kann somit 4 – 6 Mal im Jahr Junge zur Welt bringen (bis zu 30 Junge pro Jahr – die Jugendsterblichkeit ist aber extrem hoch, da Kaninchen Beute vieler Tiere sind). Daher stammt auch das Sprich-wort: „Sie vermehren sich wie die Karnickel!“. Sie sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Blättern sowie verschiedenen Kräutern und Gräsern. Seltener fressen sie mit kleinen Zweigen oder Rinden auch härtere Nahrung. Der Bogen der natürlichen Feinde reicht vom Wiesel über den Iltis, Marder, Fuchs, Luchs und Wolf (Anm.: …in den letzten Jahren ist noch der Goldschakal hinzugekommen) ebenso wie wildernde Hunde und Katzen bis hin zu größeren Greifvögeln, letztere reduzieren den Bestand allerdings nur gering. Kaninchen sind sehr scheue Tiere und bewegen sich selten weit weg von ihrem Bau. Beobachten kann man sie am Besten in der Dämmerung; an schönen Tagen sind sie auch in den Morgenstunden aktiv und genießen die ersten Sonnen-strahlen. In Gebieten mit weniger natürlichen Feinden, z.B. in Stadtgebieten, sind sie auch untertags anzutreffen. Bei Gefahr warnt es, indem es mit den Hinterläufen auf den Boden trommelt.


Wildkaninchen sind kleiner und gedrungener als Hasen. Sie sind nicht so sehr auf den schnellen, langen Lauf, sondern auf den kurzen Sprint in den nächsten Unterschlupf hin entwickelt. Daher sind ihre Hinterläufe, auch „Springer“ ge-nannt, kürzer und nicht so kräftig ausgeprägt wie jene des Feldhasen. Ihre Löf-fel (Ohren) sind deutlich kürzer und abgerundet. Feldhasen sind größer und leben am freien Feld bzw. benötigen Deckung wie Hecken und Feldgehölzen. Kaninchen hingegen graben unterirdische Bausysteme. Zudem leben sie in Gruppen von bis zu 12 Tieren, Hasen sind eher einzelgängerisch bzw. leben in kleineren Gruppen. (u.a. Wildtierbericht 2021 BW/Wildtierarten des Entwick-lungsmanagements; Jagdfakten.at siehe auch Neozoen!). Siehe auch LNV-AK GP /Merkblätter – Touristik-Naturschutz-Aktionen!
Hase oder Kaninchen? Beide Tiere werden oft verwechselt – dabei handelt es sich um völlig verschiedene Arten, die sich untereinander nicht fortpflanzen können. Bei allen Unterschieden gibt es auch Gemeinsamkeiten bei Kaninchen und Hasen. Beide zählen trotz ihrer Zähne nicht zu den Nagetieren, sondern sind unterschiedliche Gattungen in der Familie der Hasenartigen. Beide fressen ihren Kot, um maximale Nährstoffe daraus ziehen zu können. Und trotz ihrer hohen Nachwuchsrate sind die Bestände in Europa teils stark gefährdet , v.a. durch mangelnden Lebensraum, beim Kaninchen auch durch vom Menschen absichtlich eingeschleppte Seuchen. So ist etwa der Bestand Spaniens rapide eingebrochen, was wiederum den Iberischen Luchs noch stärker als ohnehin in Bedrängnis bringt, da Kaninchen seine Hauptnahrung sind. (Auszüge SWP/ magazin am Wochenende/Yasemin Gürtanyel 3.4.21).

i In Offenburg (Ortenaukreis) ist die hochansteckende Kaninchenkrankheit Rabbit Haemorrhagic Disease aufgetreten. Die Virusinfektion führt bei Kaninchen schnell zum Tod, wie die Stadt mitteilte. Übertragen werde ds Virus v.a. durch Stechmücken sowie durch den Kontakt mit Sekreten infizierter Tiere. Für Menschen, Hunde und Katzen bestehe keine Gefahr. Da Wildkaninchen lt. Stadt i.d.R. in ihren Bauen versterben, werden viele verendete Tiere nicht gefunden. (Quelle: SWP/SÜDWESTUMSCHAU/dpa 11.9.25)
Schon gewusst? Wild- und Hauskaninchen sind ein und dieselbe Art. Trotz der vielen Zuchtvarianten, der in vielen Wohnungen lebenden Hauskaninchen, pas-sen sich entflohene oder ausgesetzte Tiere sehr rasch ihrer ursprünglichen Wildform wieder an. (Jagdfakten).