
Unsere Taggreifvögel und die „Nachtgreifvögel“ sind trotz Ähnlichkeiten des Beuteerwerbs, des Hakenschnabels und der mit spitzen Krallen bewerten Fänge nicht unmittelbar miteinander verwandt. Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Gruppen liegt außer ihrer Abstammung in der überwiegend nächtlichen Lebensweise der Eulen. Die vorwiegend in der Dämmerung fliegenden Eulen und Käuze sehen selbst bei geringem Restlicht noch gut. Dagegen ist ihre Farbwahrnehmung anders als bei tataktiven Vögeln nur wenig entwickelt. Ihre Augen und Ohren sind aber nicht nur hochsensibel, sondern eigenen sich in besonders ausgeprägter Weise zum räumlichen Wahrnehmen etwa einer Maus auf der Erde. Die Augen sind so nach vorn gerichtet, daß sie den vor ihnen liegenden Ausschnitt betäugig, also räumlich, erfassen (Als Aus-gleich für ihre starr im Schädel sitzenden Augen haben sie einen außergewöhn-lich beweglichen Hals. Sie können ihren Kopf nicht nur um fast 270° wenden, sondern auch weit nach oben drehen, z.B. Sumpfohreule 135°). Darin ähneln sie den Menschen; sie haben ausgeprägte „Gesichter“.

Zu diesem Eindruck trägt auch der s.g. Gesichtsschleier aus Federkränzen bei. Er unterstützt durch seine Schalltrichterfunktion räumliches Hören der hinter dem Gesichtsschleier verborgenen Ohren (die Federbüschel von Uhu, Wald- / Sumpfohreule sind keine Ohren – sie spielen möglicherweise im innerartlichen Ausdrucksverhalten der s.g. Ohreulen eine Rolle). Die Federstrahlen der Eulen-federn sind an ihren Spitzen nicht miteinander verkettet. Die so entstehenden weichen Umrisse der Schwung- u. Steuerfedern ermöglichen einen fast laut-losen Flug. („Die Tiere unserer Heimat“ ADAC-Verlag, ISBN: 3-87003-878-0; siehe auch Blog „Lautlos durch die Nacht“).

VOGELAUGE OHNE SAUERSTOFF: Selbst ohne Sauerstoffzufuhr funktioniert die Netzhaut im Vogelauge (siehe Kinderseite bei Schleiereule !) perfekt. Sie erhält dank eines speziellen Mechanismus, der auf sauerstofffreiem Stoffwechsel basiert, ausreichend Energie. Eine jahrhundertealte Annahme über die Funktionsweise des Vogelauges habe sich damit als falsch herausgestellt, schreiben Forscher um Christian Damsgaard von der Universität Aarhus. Nervengewebe benötigt viel Energie, ohne Sauerstoff stirbt es normalerweise ab. Ein dichtes Netz aus Blutgefäßen versorgt es daher mit dem lebenswichtigen Gas. Doch in der Retina von Vögeln fehlt die Blutzufuhr, dennoch handelt es sich um lebendiges und aktives Gewebe. Im Gegenteil: Womöglich dient der Blutmangel sogar der Sehschärfe. Ohne Blut wird einfallendes Licht ganz anders oder gar nicht gefiltert. Stattdessen setzen die inneren Teile der Vogelnetzhaut auf einen sauerstofffreien Stoffwechsel. Eine Augenfächer genannte Struktur, der Pecten oculi, sorgt dafür. Dabei handelt es sich um eine stark durchblutete Vorstülpung, die in den Glaskörper des Vogelauges hineinragt – was ihre bislang unbekannte Funktion endlich enthüllt. Bislang war man davon ausgegangen, dass der Augenfächer die Versorgung der Vogelnetzhaut mit Sauerstoff gewährleistet. Doch diese Annahme entpuppte sich als falsch. Statt Sauerstoff zu transportieren, enthält er sehr viele Proteine, die Glukose- beziehungsweise Lactatmoleküle heranschaffen. Damit versorgt er die Netzhaut über die Glukose mit Energie und entfernt deren anaerobes Abbauprodukt Lactat. Dadurch kann die Netzhaut große Mengen von Glukose verstoffwechseln und so an die benötigte Energie kommen. Quelle: Damsgaard, C. et al., Nature 10.1038/841586-025-09978-W, 2026. (vögel 3/2026/Daniel Lingenhöhl).
Zur flickr-Fotoserie, Serie „Vögel von A – Z“ und Serie „Birds of North America“!