Eidechsen & Schleichen

Reptilien werden immer seltener, vor allem weil ihnen die Lebensräume fehlen. Mit wenig Aufwand kann man sie anlocken – Geduld ist aber gefragt.

Grundsätzlich sind die meisten Reptilien Sonnenkinder und lieben Plätze zum Aufwärmen – als wechselwarme Tiere würden sie sonst mit steifen Gliedern wenig mobil sein. „Da reicht ein Steinhaufen oder eine kleine Mauer aus Natursteinen“, sagt Hubert Laufer, Reptilienexperte beim NABU. Wichtig ist, das zwischen den Steinen Spalten bleiben, damit sich die Tiere rasch in Sicherheit bringen können. Potenzielle Gäste sind v.a. Blindschleichen, Zauneidechsen, Schling- und Ringelnattern (alle komplett harmlos).

Mit einem Steinhaufen alleine ist es allerdings nicht getan – wichtig ist ein abwechslungsreich gestalteter Garten. So sonnen sich die Reptilien nicht nur gerne auf Steinen, zuweilen bevorzugen sie Totholz, wie Stammteile oder Reisig (Holz wärmt schneller auf). Zum Überwintern ist aber der Steinhaufen besser geeignet; sagen ist bspw ein Reisighaufen ein willkommener Schutz vor negieren Katzenpfoten PS: In Gärten gehören Katzen neben dem Mähroboter zu den Hauptfeinden gerade von Blindschleichen. Verstecken und Sonnen wäre somit gewährleistet – die Reptilien müssen aber auch etwas zu fressen finden. Bei den meisten stehen Insekten und Spinnen auf dem Speiseplan. Dabei ist wichtig, dass man auch Insekten z.B. durch eine Blumenwiese anlockt. Spinnen wiederum fühlen sich auch in den Reisighaufen wohl, in denen sich die Reptilien verstecken. Während Ringelnattern für ihren Nachwuchs einen bevorzugten zugänglichen Komposthaufen benötigen, vergraben Zaun-eidechsen ihre Eier in 10 – 20 cm tiefe Erdgruben; Stellen mit sandiger Erde macht es ihnen dabei leichter. Bis die Tiere den neuen Lebensraum finden, braucht es Geduld – hängt auch davon ab, wie die Nachbargärten gestaltet sind. Handelt es sich zum Großteil um sterile Schottergärten oder reine Rasen-flächen, kann es dauern. Auf keinen Fall sollte man aber versuchen, hier nachzuhelfen und Reptilien aus der Natur zu fangen. Zum einen ist es verboten – zum anderen aber, weil die Tiere schnell abwandern und dabei möglicher-weise überfahren würden.

Bestand geht immer weiter zurück: Zu den einheimischen Reptilien zählen Schildkröten, Eidechsen und Schlangen. Insgesamt leben in Deutschland 15 Arten – ihr Bestand geht aber steig zurück, weshalb alle Reptilien wie auch Amphibien, geschützt sind. Zwei Reptilienarten, die Europäische Sumpf-schildkröte und die Aspisviper, sind akut vom Aussterben bedroht. „Leider ist die Situationfür unsere Amphibien und Reptilien trotz der Schutzbemühungen im Land besorgniserregend“, sagt dazu Ulrich Maurer, Präsident der Landesanstalt für Umwelt BW. (Auszug Yasemin Gürtanyel „Garten für Mini-Saurier“ SWP/RATGEBER GARTEN 26.6.24)

Eidechsen sind die artenreichste Gruppe der Reptilien. Gleich den Schlangen ist ihr Körper mit einem hornigen Schuppenschild versehen, dessen äußere Schicht von Zeit zu Zeit abgestreift wird. Bei Verfolgung können sie den Schwanz abwerfen (siehe Foto unter Bergeidechse!), der dann heftig zappeln den Feind ablenkt. Echte Eidechsen kommen in Europa, Afrika und von Vorder- bis Südostasien vor. Australien und die beiden amerikanischen Kontinente erreichten sie nicht. Bei uns und in der Schweiz kommen 5 Arten vor, die Zaun-eidechse, die Westliche und Östliche Smaragdeidechse, die Mauereidechse und die Waldeidechse, s.g. Berg- oder Mooreidechse. In Karlsruhe wurde zudem die Ruineneidechse eingeführt. Im südlichen Österreich kommt die Kroatische Gebirgseidechse hinzu.

Die Schleichen sind eine vielgestaltige Echsenfamilie. Es gibt sowohl schlangenartige, beinlose Arten, wie z.B. die europäische Blindschleiche als auch langgestreckte Formen, deren Beine zu kleinen Stummeln verkümmert sind, bspw. den Scheltopusik, und normal vierbeinige und fünfzehige Arten. Bei allen Schleichen werden die Schuppen durch Knochenplättchen verstärkt.

Zauneidechse Lacerta agilis, bis 24 cm, Lebensraum: alte Bahndämme, Hecken, Wiesen, Feldränder, Heidekrautbestände, bewachsene Bereiche der Sanddünen. Sie bevorzugt trockene Stellen, an denen sie sich sonnt, Im März oder April erwacht sie aus der Winterstarre, die sie an einem frostfreien Platz im Boden verbracht hat, und streift bald die alte Haut ab. Den Sommer über nimmt sie soviel Nahrung (meist Käfer und Heuschrecken) zu sich um für den Winter mit den nötigen Fettreserven ausgerüstet zu sein. Ehe sie ihre Beutetiere vertilgt, schüttelt sie sie bis zu Benommenheit. Anfang Juni gräbt das ♀ ein Loch in den lockeren Boden, legt dort die Eier ab und deckt sie mit Erde zu. Bis zu 3 Mon. dauert es, bis die Sonne die Eier ausgebrütet hat. Geschlüpfte Juv. sind etwa 65 mm lang. Etwa Anfang Oktober ziehen sie sich in ihr Winterquartier zurück. PS: Zauneidechsen sind kräftiger gebaut und markanter gezeichnet als die Waldeidechse.

Totholz für Sonnenanbeter: Während Steine bei Sonnenschein noch lange kalt bleiben, erwärmt sich die Oberfläche von totem Holz recht schnell – ein beliebter Sonnenplatz für wärmeliebende Tiere, wie die Zauneidechse (Foto). Auch Schmetterlinge und andere Insekten nehmen hier gerne ein Sonnenbad. Tipp: Platzieren sie daher in ihrem Garten an geschützten, sonnigen Stellen Reste von Stubben oder schichten sie Äste vom Gehölzschnitt zu kleinen Haufen auf. (Quelle: mein schöner Garten / Wildlife April 2024)

Östliche Smaragdeidechse Lacerta viridis, bis 40 cm, Lebensraum: Von ihr werden sowohl besonnte, nach Süden ausgerichtete Hänge sowie Trocken-mauern, Schotterhalden, Wiesenkanten und felsige Lebensräume (Donautal), als auch Heidegebiete, Schonungen mit jungen Kiefern und Böschungen mit sandigem Bodengrund (Brandenburg) besiedelt. Kleinstrukturen aus Baum-stubben, Knüppelholzhaufen, dichten Gebüschen (z.B. Brombeere) dürfen nicht fehlen. In Deutschland besiedelt die sehr scheue und schnelle Smaragdeidechse nur noch reliktartig zwei großräumig voneinander getrennte Bereiche. Zum einen im südlichen Brandenburg, zum anderen in Bayern bei Passau an der Donau.

Mauereidechse Podarcis muralis, bis 19 cm, Lebensraum: alte Mauern, oft in Weinbergen, felsiges, sonniges Gelände. An den zerklüfteten Mauern alter Weinberge oder in Sandsteinfelsen in den Vogesen (Fotos) huschen an sonnigen Tagen Mauereidechsen umher und können sogar senkreiche Wände mühelos auf- und abwärts laufen. Sie erjagen Spinnen, Asseln und andere Insekten Die kalte Jahreszeit überstehen sie in der Winterstarre tief zwischen Steinspalten verborgen.

Waldeidechse Lacerta vivipara, auch Berg- oder Mooreidechse genannt, bis 18 cm, Lebensraum: Waldränder, Lichtungen Wiesen, Moore, Wegränder. Ein Rascheln im Gras verrät die Waldeidechse, die dort Spinnen und kleineren Insekten nachstellt. Sie ist sehr scheu und verschwindet bei der geringsten Störung im hohen Gras. Auf den Nordseeinseln ist sie sogar in den dürftig bewachsenen Dünen anzutreffen. Der Kopf ist relativ klein, die Beine verhältnismäßig kurz und die ♀ haben meist eine hellere Färbung als die ♂ (im Foto Farbvariante als Anpassung an das Biotop „Moor“). Der Bauch des ♂ist orangefarben mit vielen dunklen Flecken, der des ♀ zitronengelb. Letzteres bringt 5 – 6 lebende, schwarz gefärbte Junge zur Welt.

Die Kroatische Gebirgseidechse Iberolacerta horvathi ist eine Art der Echten Eidechsen und in Europa  beheimatet, und zwar in den südwestlichen Alpen (Bergregionen Südkärntens, Oberitaliens, Sloweniens und Kroatiens, wo sie auch in tieferen Lagen vorkommen kann). Gesamtlänge bis 20 cm, Lebens-raum: sie kommt in humiden, feuchten und steinig bis felsigen Tälern und meist sehr steilen Talhängen bei dennoch hoher Sonneneinstrahlung vor.

 Die Höhenverbreitung in Österreich liegt zwischen 600 und 1.700 m Seehöhe. Ihre Verbreitung dort beschränkt sich auf das südliche Kärnten und Osttirol: Karnische Alpen, Gailtaler Alpen nördlich des Lesachtales bis Osttirol sowie die Karawanken. Die kletterfreudige Art ist v.a. an Felsabbrüchen und steinigen Steilhängen zu beobachten, die mit einem großen Spaltensystem und somit zahlreichen Versteckmöglichkeiten ausgestattet sind. Durch die hohe Boden-feuchte der Standorte sind Felsen und Steine häufig mit Moosen bewachsen und von Tropfwasser beeinflusst. Derartige Lebensräume sind oft in der Nähe von Gebirgsbächen zu finden. Die natürliche Vegetation von Bergtälern dieser Höhenstufe besteht aus Nadel- und Laubmischwäldern. Der Anspruch der Art auf eine hohe Sonneneinstrahlung wird erst durch anstehendes Gestein gewährleistet. Steilabbrüche an Forststraßen begünstigen dabei diese außerordentlich strikten Ansprüche an den Lebensraum. (Auszug Artsteckbrief von Dr. Werner Kammel, Naturschutzbund Steiermark/A).

Scheltopusik Pseudopus apodus – diese größte Schleiche erreicht eine Gesamt-länge bis 1,4 m. Verbreitungsgebiet: Balkanhalbinsel und vorgelagerte Inseln, Kleinasien, das Kaukasusgebiet, der Irak und der Iran und erstreckt sich nach Osten bis Mittelasien.  Bevorzugt werden trockenwarme, locker bewachsene Biotope in Höhen bis 2300 m, die mäßig feucht sein sollten. Dabei werden Gebüsche und Geröll als Versteckmöglichkeiten angenommen. Auch in Kulturland, in Weinbergen oder Steinmauern sind sie anzutreffen. Der Name kommt aus dem Russischen Желтопузик und bedeutet so viel wie „Gelbbauch“. Der schlangenartige Körper wirkt starr durch die großen Schuppen, ist aber sehr beweglich. Charakteristisch ist die an den Körperseiten verlaufende Haut-furche. Wegen der durch Hautknochen verstärkten panzerartigen Beschup-pung heißt sie auch Panzerschleiche. Gliedmaßen fehlen bis auf winzige Rudimente der Hinterbeine. Scheltopusiks legen Eier, aus denen nach 6 – 7 Wochen die Jungen schlüpfen.

Westliche Blindschleiche Anguis fragilis, bis 45 cm, Lebensraum: feuchte Stellen unter Steinen, Brettern, an Waldrändern. Blindschleichen ähneln auf den ersten Blick den Schlangen. Dies wird ihnen oft zum Verhängnis, weil Menschen sie für gefährlich halten und erschlagen. In Wirklichkeit sind sie Echsen, deren Beine sich zurückgebildet haben. Sie besitzt auch nicht den beweglichen Kiefer und die Geschmeidigkeit von Schlangen, kann dafür aber mit beweglichen Augenlidern und außenliegenden Gehöröffnungen aufwarten. Der Kopf ist schmal und geht ohne Übergang in den Körper über. Da sie sich von Schnecken und Regenwürmern ernährt, die sich sehr langsam fort-bewegen, braucht sie keine schnellen Beine. Die goldglänzenden Tiere sonnen sich gerne, wenn sie in der Nähe einen sicheren Unterschlupf haben. Im Okt. ziehen sie sich in ihr Winterquartier zurück und erscheinen wieder im März, wenn die Sonne den Erdboden erwärmt.

Quellen: „Schlangen in Deutschland“ SÜDWEST-PRESSE/WISSEN 2.7.22;„Wegweiser durch die Natur“ Verlag Das Beste (ISBN 3-87070-694-5; mein schöner Garten / Wildlife April 2024; Naturschutzbund Steiermark/Österreich; Wikipedia.