Mit ihren Geweihen und Hörnern imponieren Hirsche und Böcke den Damen und demonstrieren Stärke gegenüber ihren Konkurrenten. Starke gesunde Hirsche tragen in ihren besten Jahren ein stattliches Geweih, so wie dieser ungerade kapitale Zwanziger („Kronenhirsch“).

Auch Rehböcke Capreolus capreolus, Dam- Servus dama und Sikahirsche Servus nippon tragen sie für den Zweikampf, ebenso wie die größte Hirschart, der Elch Alces alces, sowie das in den Tundren und nördlichen Waldgebieten Eurasiens beheimate Ren (F: Waldren) Rangifer tarandus fennicus; besonders bemerkens-wert: auch die ♀♀ tragen ein Geweih. Größe und Gestalt des Kopfschmuckes dieser Hirschartigen unterscheiden sich erheblich, doch Entwicklung und Aufbau sind identisch. Im alltäglichen Sprachgebrauch werden Geweihe und Hörner häufig verwechselt.






Wildbiologen trennen klar die Geweihe der ♂♂ Hirschartigen Cervidae von dem Kopfschmuck der Familie der Hornträger Bovidae (vereint bei uns Rinder, Schafe und Ziegen), zu denen die wilden Verwandten wie Gämsen Rupicapra rupicabra, Steinwild Capra ibex ibex u. Mufflons Ovis gmelini musimon gehören; aber auch die noch in Nord-Norwegen, Spitzbergen und Nord-Schweden vorkommenden Moschusochsen Ovibos moschatus und die vorwiegend in Polen und Weißrussland lebenden Wisente Bison bonasus. Bei diesen Arten tragen auch ♀♀ Tiere Hörner, Böcke allerdings die mächtigeren. Wie bei den Geweih-trägern sind sie Symbole der Kraft und des Mutes beim ♂ ♂ Rangordnungs-kampf während der Brunftzeit. Zweifellos wollten die Germanen einst ihre Macht demonstrieren, als sie Hörner der inzwischen ausgestorbenen Auerochsen an ihre Helme setzten.





Anders. als viele glauben, entspricht die Zahl der Geweihenden keineswegs dem Lebensalter der Hirschartigen: Bei Krankheit oder Futtermangel bildet der Hirsch mehrere Jahre hintereinander Geweihe mit derselben Anzahl von Enden. Ihr stärkstes Geweih erreichen Rothirsche zwischen 10 – 14 Jahren. Imponieren und Kampf erübrigen sich nach der Brunft, der Testoterongehalt im Blut sinkt auf einen Tiefststand.

Beides führt dazu, dass Rehböcke ihr kleines Gehörn bis zum Nov. abwerfen. Ihre Brunftzeit liegt bereits im Hochsommer. Den Kopfschmuck der übrigen Hirschartigen können wir im Winter noch bewundern, wenn ihre Brunftzeit gerade vorüber ist. Sie beginnen von Febr. an, sich ihre Geweihe zu entledigen (Elch Dez. – März; Rentierbulle Okt. – Dez.). Dicht über dem Kopf werden die Stangen brüchig und fallen im Abstand weniger Tage ab. Plötzlich stehen die alten Platzhirsche ohne Rangabzeichen da.


Die s.g. „Rosen“ sind die Verbindung zwischen Kopf und Geweih (F li.). Bei jungen Hirschen sind sie noch nicht vorhanden. Beim Elch ist nach dem Abwurf nur noch der Rosenstock (F re.) zu sehen. Der Kehlbart ist ein fleischiger Lappen mit langen Haaren; beim Bullen wir er bis zu 50 cm lang. Nach vier Wochen beginnt das Wachstum des neuen Gehörns beim Rehbock (ab Mitte Dez., das Geweih beim Rothirsch ab März; des Elchs ab April). Beim Rehbock ist das neue Gehörn nach 3 Monaten etwa 25 cm lang und ausgewachsen (die weiche Basthaut schützt den wachsenden Knochen). Ihr stärkstes Gehörn erreichen Rehböcke im Alter von 3 – 8 Jahren.





S.g. Fegespuren haben nichts mit einem Kehrbesen zu tun: stattdessen „fegen“ die Rehböcke ab März – Juni an Büschen und Bäumende die absterbende umhüllende Haut (Jägersprache „Bast“) ab. Auch bei den Rothirschen (F.) sind die wachsenden Knochenstangen von lebender Haut umschlossen. Beim Fegen der Basthaut ab Juni schlagen die Hirsche oft heftig gegen Gebüsch und Jung-bäume. Ein vielendiges schweres Hirschgeweih ist nach rund 4 Monaten ausgewachsen. Zum Waldren: In langen Fetzen hängt die trocknende Basthaut vom neu gebildeten Geweih. Zu den Brunftzeiten siehe nachfolgende Fotoinfos.









Jedes Jahr aufs Neue durchlaufen die Hirschartigen diese an die Jahreszeiten gebundene und hormonell gesteuerte Folge von Abwurf und Neubildung. Damhirsche zeigen mit Abwurf und Neubildung die gleiche Geweihentwicklung wie Rothirsche. Ab dem 3. Lebensjahr flachen sich die Stangen im oberen Teil mehr und mehr zum breiten „Schaufeln“ ab; ähnlich ist die Schaufelentwicklung beim Elch.

Das Elchgeweih erreicht seine größten Ausmaße und die höchste Endenzahl zur Zeit der vollen physischen Entwicklung des Bullen. Diese liegt zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr. Mit bis zu 2 cm Wachstum pro Tag ist es das sich am schnellsten bildende bekannte Organ im Tierreich.





(Quellen: Dr. Rainer Rudolph „ERHOBENEN HAUPTES“ Landlust Nov./Dez. 2017; Kurt G. Blüchel „DIE JAGD“ Könemann Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3.89508-220-1; Wikipedia / KI)