NEOPHYTEN in Deutschland

Neophyten (griechischneos = neu; phyton = Pflanze; Einzahl: Neophyt, Mehrzahl: Neophyta, eingedeutscht Neophyten) sind Pflanzen, die unter bewusster oder unbewusster, direkter oder indirekter Mithilfe des Menschen nach 1492, dem Jahr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, in ein Gebiet gelangt sind, in dem sie natürlicherweise nicht vorkamen. Damit gehören sie zu den s.g. hemerochoren Pflanzen. Gebietsfremde Pflanzen, die bereits zu früheren Zeiten zu uns kamen, zum Beispiel mit dem Beginn des Ackerbaus in der Jungsteinzeit oder durch den Handel der Römer – wie bspw. die Esskastanie –, werden als Archäophyten bezeichnet. (LfU Bayern; Wiki).

Zehn Beispiele invasiver Pflanzenarten (Neophyten):

Gemeiner/Gewöhnlicher Flieder Syringa vulgaris – in Südosteuropa und Vorderasien verbreitet (F: Streuobstareal vom Freibad Wiesensteig Richtung Papiermühle).

Besonders der Gemeine Flieder, aber auch Sorten anderer Arten und Kreuzun-gen werden als Ziersträucher in Parks und Gärten verwendet. Einige Sorten werden als Schnittblume verwendet. Bei trockenem Wetter nagen bspw. Hor-nissen und Wespen an der Rinde von Fliederzweigen, um den Pflanzensaft auf-nehmen zu können.

Ist Flieder giftig für Menschen und Tiere? Tatsächlich gelten grundsätzlich alle Teile des Flieders, v.a. seine Blätter, Rinde, die Triebe sowie die Beeren, als leicht giftig. Sie enthalten das Glykosid Syringin, welches vornehmlich in Flie-der vorkommt und auch dessen stark bitteren Geschmack verursacht. Wer ein-mal ungesüßte Fliederblüten gekostet hat, wird die Bitterkeit trotz des süßen Geruchs bestätigen können – nehmen sie diese Wahrnehmung ernst, denn sie ist ein deutlicher Hinweis auf die giftigen Inhaltsstoffe des Flieders. Allerdings müssten Erwachsene schon ziemlich große Mengen verspeisen, um etwaige Folgen zu verspüren. Anders sieht es bei Kindern und kleinen Haustieren wie etwa Kaninchen, Meerschweinchen etc. Diese können anschließend Bauch-krämpfe und Durchfall bekommen. (Gartenjournal.net).

Der Kalifornische Mohn, auch Kalifornischer Kappenmohn oder Schlafmützen genannt, gehört zur Familie der Mohngewächse Papaveraceae und stammt aus der Gegend von Kalifornien (Anm.: wurde 1903 offiziell zur Staatsblume von Kalifornien; F: Farmland in Alberta/Kanada), ist inzwischen aber in Australien, Südafrika, Südamerika und Europa weit verbreitet und sehr variantenreich. In unseren Breiten ist die robuste und pflegeleichte Pflanze einjährig. Er blüht von Juli bis Sept., samt sich gerne selbst im Garten aus, häufig an sehr trockenen, ungemütlichen Stellen, wird aber nie zur Plage, da er sich leicht jäten lässt. Die verschleuderten Samen verharren bei ungünstigen Umweltbedingungen jahre-lang im Boden, ohne zu keimen. Erst ausreichend Feuchtigkeit weckt sie aus ihrer Trockenstarre. Er wird auch als Bienenweide und für pharmazeutische Zwecke genutzt. ( kraut&rüben.de, Wiki).

Die Kartoffel-Rose, auch Apfel-, Japan-, Sylter – oder Kamtschatka-Rose ge-nannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Rosen innerhalb der Familie der Ro-sengewächse. Sie ist ursprünglich in Ostasien verbreitet und in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt. Sie ist vielen auch als „Dünenrose“ (F: Kurische Nehrung/Куршская коса/Oblast Kaliningrad und N.P. Schleswig-Holsteinisches Watten-meer) bekannt und ein stark duftender Magnet für Bienen. (Wiki).

Vielblättrige Lupine Lupinus polyphyllus (F: NSG Waldnaabtal/Oberpfalz in Bayern).

Die Vielblättrige Lupine, auch Stauden-Lupine genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Lupinen, die zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler innerhalb der Familie Hülsenfrüchtler gehört. Sie stammt ursprünglich aus Amerika und besitzt eine lange Pfahlwurzel. Mit Hilfe von Knöllchen-Bakterien kann sie an ihrer Wurzel Luftstickstoff binden, der sich im Boden anreichert. Diese Wirkung, die den Boden fruchtbarer macht, ist nicht überall erwünscht. So verbreitet sie sich unter anderem auf Magerböden und vertreibt dort solche Pflanzen, die auf kargen Boden angewiesen sind. Dazu gehören Arnika, Borst-gras, Katzenpfötchen, Knabenkraut, Trollblume und die Türkenbundlilie. Die Fruchtbarkeit der Lupine ist immens. Durchschnittlich hat eine Pflanze etwa 60 Blüten. Diese produzieren 2.000 Samenkörner und schleudern sie bis 6 m weit. (BUND, Wiki).

Rote Schlauchpflanze Sarracenia purpurea + „Kanne“ (links; F: NSG Oppenweher Moor/NRW).

Die Rote Schlauchpflanze ist eine fleischfressende Pflanzenart aus der Familie der Schlauchpflanzengewächse. Sie ist in Nordamerika von Kanada bis Florida weitverbreitet. In mehreren Fällen wurde sie von Pflanzenliebhabern an pas-senden Standorten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes ausge-bracht, so auch in Deutschland in Mittelfranken, in der Lausitz, in NRW und im Bayerischen Wald. Die Vorkommen gelten als vital, die Pflanzen erreichen Größen von bis zu 45 cm und einen Deckungsgrad von bis zu 50 %. Da sie eine Konkurrenz für heimische Moorarten darstellt, wurde sie in Deutschland 2013 auf die Schwarze Liste invasiver Arten (Frühwarnliste) gesetzt und bei Pflege-maßnahmen entfernt. (Wiki).

Drüsige Springkraut/Indisches Springkraut Impatiens glandulifera (F: Katzenbachtal/LSG Mittlerer Schurwald/Ldkrs. Esslingen).

Ursprünglich war das Drüsige Springkraut im Himalaya beheimatet. Im 19. Jh. wurde es als Zierpflanze gezielt nach Europa eingeführt, wo es sich über botani-sche Gärten weiterverbreiten konnte. Mittlerweile kommt es massenweise an Fließgewässern vor und unterminiert dort die Bachufer. Seinen Namen erhielt es durch seinen Verbreitungsmechanismus, da der Samen bis zu 7 m weit u. 2 m hoch geschleudert werden kann. Die rosafarbenen Blüten der bis zu 60 cm groß werdenden Pflanze riechen nach Kokosnuss. Wegen seines Nektarreichtums bevorzugen Bienen das Springkraut vor allem in nektarärmeren Jahreszeiten. Dies führt zu einem unerwünschten Druck auf konkurrierende einheimische Pflanzen. Außerdem bildet die Art oft flächendeckende Bestände, die andere heimischen Arten am Wachsen hindern. (BUND).

Kanadische Goldrute Solidago canadensis (F: Flussufer „La Moder“ – EU-Projekt PAMINA Rheinpark / Parc rhénan/Frankreich).

Die Kanadische Goldrute wurde im 19. Jh. aus Nordamerika als Zierpflanze und Bienenweide eingeführt. Die mehrjährige Pflanze wird 50 – 250 cm hoch und hat goldgelbe, zylindrische Blütenköpfe, die eine Rispe bilden. Sie besiedelt Bahngleise, Schuttplätze, Wald- und Uferränder, breitet sich sehr stark aus und bildet ein undurchdringliches Dickicht. In ihrer Heimat hat sie 300 Fressfeinde, in Deutschland keinen einzigen. Durch unterirdische Ausläufer und eine Un-menge an Samen (z.T. 19.000 pro Pflanze) verfügt sie über ein enormes Ausbrei-tungspotential. Leider verdrängt sie dadurch v.a. auf Magerrasen heimische, Licht liebende Pflanzen und verändert den Ablauf der natürlichen Sukzession. (BUND).

Herkules-Staude/Riesen-Bärenklau Heracleum mantegazzianum (F: Národní přírodní rezervaci Kladské rašeliny/“ChKO Slavkovský les“/Tchechien).

Die Herkules-Staude war ursprünglich im Kaukasus beheimatet und ist wegen ihrer Größe eine kaum zu verwechselnde Pflanze. Sie erreicht gewöhnlich 2,5 – 4,0 m, kann aber auch noch größer werden. Ihre weißen Blüten stehen in Dol-den, die bis zu 50 cm Durchmesser erreichen. Sie wurde 1982 erstmalig von einem Hobbygärtner in Dransfeld aus Samen gezogen und verbreitete sich dann explosionsartig an einem Bach entlang, weil die Pflanze bis zu 10.000 Sa-men hervorbringt. Die Art verdrängt einheimische Arten und ist erosionsför-dernd, da ihre Pfahlwurzel nicht der Uferbefestigung dient. Ihr Saft ist in Kom-bination mit Sonnenlicht giftig (phototoxisch), ihre Pollen sind zudem für Al-lergiker ein Problem. Sie muss wegen ihrer schädlichen Wirkungen mit großem Aufwand gerodet oder mit Flamme vernichtet werden. (BUND, Wiki)

Häufigster Vertreter dieser bei uns eingewanderten Pflanzengattung ist die Indische Kermesbeere. Sie wird auch Essbare -, Speise- o. Asiatische Kermes- beere genannt. Ihre natürlichen Vorkommen liegen in Süd- bis Mittelamerika, China, Bhutan, Japan, Korea, Myanmar, Sikkim, Vietnam und Indien. In Europa wird sie als Zierpflanze genutzt und ist, durch Vögel ausgebreitet, immer häufi-ger verwildert aufzufinden. Alle Kermesbeeren-Arten enthalten insbesondere in den Wurzeln und Samen das Triterpen-Saponin Phytolaccagenin, somit sind die Pflanzen potentiell giftig. Nach Studien haben selbst Buchen Schwierigkei-ten, auf dem Boden, der von Kermesbeeren-Arten belastet ist, zu keimen. Diese Tatsache macht die Pflanze besonders konkurrenzstark und damit gefährlich, da sie alle anderen Pflanzenarten verdrängt. Kermesbeeren sind hauptsächlich giftig für Säugetiere, was sie ebenfalls für Haus- und Hoftiere gefährlich macht. Tiere vergiften sich dabei auf die gleiche Weise wie Menschen und für sie sind ebenfalls die Wurzeln besonders gefährlich. Große Tiere wie Pferde oder Kühe vertragen die Beeren etwas besser als andere Arten, jedoch ist darauf zu achten, Haus- und Hoftiere von ihr fernzuhalten. Zu Symptome siehe Plantopedia und Artikel Wildhüter St. Hubertus e.V. Es sollte darauf geachtet werden, dass v.a. Kinder keine Teile der Kermesbeeren-Pflanzen, insbesondere die Früchte, essen! Wiki.

Die Stachelgurke Echinocystis lobata, auch Gelappte Stachelgurke oder Igel-gurke genannt, ist die einzige Art der Pflanzengattung Echinocystis innerhalb der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). In Nordamerika heimisch und in Mitteleuropa teilweise verwildert gehört sie zu den Invasiven Neophyten. (Wiki). 

Robinie Robinia pseudoacacia (F: NSG Strangen/UNESCO-BSR Schaalsee/MV).

Die Gewöhnliche Robinie , auch verkürzt Robinie, Gemeine -, Weiße -, Falsche Akazie, Scheinakazie, Gemeiner Schotendorn oder Silberregen genannt, ist ein sommergrüner Laubbaum. Sie stammt aus Nordamerika und wird überall in Europa seit fast 400 Jahren in Parks und Gärten gepflanzt. Sie wächst inzw. auch wild. Die Robinie liefert reichhaltigen Nektar und ist deshalb als Bienen-trachtpflanze für die Imkerei von Bedeutung (In Brandenburg stellt sie in guten Jahren bis zu 60 % der Honigernte – als „Akazienhonig“ gehandelt). Sie dient aufgrund ihrer Streusalz- und Emissionsresistenz als Pioniergehölz auf Schutt-flächen und breitet sich entlang von Bahndämmen und auf Magerwiesen aus. Die Robinie ist der Neophyt mit dem derzeit größten Verdrängungspotential: Als Leguminose (Schmetterlingsblütler) kann sie Luftstickstoff binden, den Bo-den damit anreichern und somit chemisch verändern. Die Folge ist eine Über-düngung von besonders schützenswerten Magerstandorten, die meistens eine interessante und an seltenen Arten reiche Vegetation aufweisen. Zudem be-schatten sie artenreiche Halbtrockenrasen. Ohne Licht und durch die Konkur-renz der Stickstoff liebenden Gräser gehen viele seltene Kräuter und Orchideen und die auf sie angewiesenen Tiere ein. Während trockene Böschungen von Robinien stabilisiert werden, werden feuchte Böschungen destabilisiert: Die Ausläufer durchziehen diese Böschungen. Entlang der Wurzeln und geschaf-fenen Hohlräume gelangt Wasser in die Böschung und weicht sie auf. Im Ufer- bereich von Gewässern wird der durch die Robinien im Boden angereicherte Stickstoff in die Gewässer ausgewaschen und führt dort zu Überdüngung mit allen negativen Folgen für die Wasserqualität. (ARD alpha, BfN, BUND, Wiki).