Hast du schon mal einen Igel in der Natur gesehen? Wenn ja, hattest du großes Glück. Denn die stacheligen Vierbeiner verschlafen den Tag in Laubhaufen, Hecken und anderen Verstecken. Erst nachts sind sind sie draußen unterwegs – als zu einer Zeit, in der du längst im Bett liegst. Aber jetzt hast du gute Chancen, Igel zu sehen. Im Herbst tippeln sie früher aus ihrem Versteck und gehen auf Nahrungssuche. Je nach Witterung suchen sich Igel bereits im Mitte Oktober bis Anfang November einen Unterschlupf für die kalte Jahreszeit. Ein solides und tiergerecht gebautes Häuschen, aufgestellt in einer ruhigen Gartenecke, kommt ihnen da wie gerufen. Hier überstehen sie die kalte Jahreszeit und werden erst im März oder April wieder aktiv. Neben Laubhaufen sind spezielle Igelhäuser ein wertvoller Unterschlupf für die unter Naturschutz stehenden Wildtiere. Sie werden „räubersicher“ und gut isoliert gebaut und vor den stacheligen Gäste dankbar angenommen. Schattige, vor Regen geschützte und v.a. abgelegene, ruhige Plätze im Garten sind geeignete Orte für das Igelheim. So können die Tiere ungestört überwintern: 1. Wählen sie für das Igelhaus einen Platz im Garten, bspw. unter einem Baum oder Strauch. Entfernen sie Unkraut sowie Steine und ebenen sie die Fläche mit einem Rechen ein. 2. Die Ziegel-steine werden zum Schutz vor Räubern spiralförmig verlegt. Aus demselben Grund sollten sie die Türöffnung klein halten: Eine Höhe und Breite von je 10 cm genügt. Achten sie darauf, dass die Öffnung auf der wetterabgewandten Seite liegt. 3. Eine zweite Lage Ziegelsteine wird versetzt auf der ersten verteilt. Das gibt Stabilität und die nötige Innenraumhöhe von ca. 25 – 30 cm wird so erreicht. 4. Den Gang mit reichlich trockenem Herbstlaub füllen. Das sorgt für Wärme im Inneren. 5. Als Dach eine Steinplatte oder ein mit Dachpappe überzogenes, dickes Holzbrett auf die Ziegel legen und ggfs. fixieren. 6. Rindenmulch oder Holzhäcksel zur Dämmung auf dem Dach verteilen. 7. Moos darauf auslegen. Frische Platten gibt es oft im Gartencenter zu kaufen, man kann es aber auch an anderer Stelle im Garten aufsammeln (nicht jedoch im Wald, wo es teilweise unter Schutz steht)! 8. Das Haus fügt sich so unauffällig in die Umgebung ein, wirkt sehr natürlich und einladend.

Igel halten nämlich Winterschlaf (und futtern sich davor mit Insekten und Spinnen eine dicke Fettschicht an. Bevor es dauerhaft kalt wird, sollten die Vierbeiner mindestens 500 – 600 g auf die Waage bringen. Wachen sie im Frühling auf, sind sie rund 1/3 leichter. 5 Schläge pro Minute beträgt der Puls eines Igels im Winterschlaf und er holt nur pro Minute 1 – 2mal Luft; sonst kommt er auf 200 Schläge/Minute.

Leider kommt es immer wieder vor, das Igel ich neu wiegt, um den Winter zu überstehen. Für den Fall gibt es Igelnothilfen. Das sind Profis, die sich genau mit den stacheligen Vierbeinern auskennen. Sie nehmen sie zu sich nach Hause und päppeln sie auf oder vermitteln sie gfls. auch in eine geeignete Gastfamilie.

Haben ihre Schützlinge vor Wintereinbruch genug zugenommen, entlassen die Helfer sie wieder in die Natur – und zwar genau dahin, wo die Igel gefunden wurden. Andernfalls schaffen sie ihnen ein kuscheliges Quartier, stellen immer frisches Futter und Wasser bereit und lassen die Tiere bis zum Frühling ungestört schlafen.

Nicht jeder Igel, der im Herbst und Winter unterwegs ist, ist ein Notfall. Ist es einige Tage ungewöhnlich warm, verlassen die Tiere manchmal ihr Winter-quartier. Du musst deshalb genau schauen: sieht der Igel kugelrund aus?

Wirkt er krank und schwach, versuchst du am besten, ihn mit Eimer oder Handtuch einzufangen. Setz ihn auf eine Waage und ruf Tierart, Igelnothilfe oder Tierschutzverein an. Die erkennen schnell, ob derVierbeiner gesund ist. Denn für wilde Tiere ist es immer am besten in der Natur zu bleiben.




In freier Natur fressen Igel in erster Linie Wirbellose, beispielsweise Insekten (z.B. Nachtschmetterlinge; F: Lederlaufkäfer Carabus coriaceus – Schlat-Unter-dorf + Grünes Heupferd Tettigonia viridissima – „Kreuzrhein“ bei Drusenheim/ Frankreich; Waldmistkäfer Anoplotrupes stercorosus – Puszcza Augustowska/ Nordost-Polen) und deren Larven (Raupe des Weidenbohrers Cossus cossus Goat Moth / Древоточец пахучий – „Krasnij Les“/Роминтенская пуща/RUS) sowie Ringelwürmer (F: Tauwurm oder Gemeiner Regenwurm Lumbricus terrestris – Schlat-Rommental) oder Schnecken (F: Schwarze Wegschnecke Arion ater – NSG Stadtwald Augsburg/Bayern). Würmer und Schnecken sind allerdings nur Notbehelfe bei Nahrungsmangel, da sie Krankheitserreger übertragen und für Igel damit gefährlich werden können. Ohrwürer sind für Igel eine besondere Delikatesse. Außerdem fressen sie auch Hundert- und Tausendfüßer, Spinnen und Asseln.


Darüber hinaus jagen Igel auch kleine Wirbeltiere (F: Zauneidechse Lacerta agilis – Przemkowski Park Krajobrazowy/Westpolen; juv. Kernbeißer -NSG Untere Marschauen/Österreich) und fressen Aas. Gelegentlich fressen sie auch versehentlich pflanzliches Material, bspw. Früchte, können dieses aber nicht verdauen. Entgegen verbreiteter Behauptungen fressen Igel also keine Äpfel u. Pilze, sondern durchsuchen diese höchstens nach für sie essbaren Tieren wie Maden.



Jeder kann mithelfen, dass die Tiere in der Natur einen Platz zum Überwintern finden. Holzstapel, Laub-, Reisig- und Komposthaufen im Garten sind perfekte Verstecke. Gleichzeitig finden sie dort jede Menge Insekten zum Futtern, -Falls du ein Igelhäuschen kaufen oder selbst bauen willst: In eine Hecke gestellt und mit Blättern ausgepolstert sind diese ebenfalls ein tolles Igelquartier.


Umwelt-Tipp Wärmepumpe – Gefahr für Igel: Sie haben eine Wärmepumpe?Dann sollten Sie Igeln und anderen kleinen Tieren in Ihrem Garten zuliebe einmal einen Blick auf den Kondenswasserablauf der Außeneinheit werfen. Denn bei den Geräten mancher Hersteller wird dem Verband Privater Bauherren ‚VPB‘ zufolge das Kondenswasser über einen kleinen Schlauch abgeleitet, der in einem Kanalgrundrohr (KG) endet. Das mögliche Problem: Ist solch ein hochkant eingebautes KG-Rohr nicht abgedeckt, können kleine Tiere hineinfallen und schaffen es oft nicht wieder heraus“, erklärt Norman-Marcel Dietz vom VPB-Regionalbüro Hildesheim. Zur Vorsorge Rohre abdecken: Um das zu verhindern, rät er zu einer passenden Abdeckung mit Verbindungsstück, die die Grundleitung schließt, aber die Ableitung des Kondensats weiter zulässt. Suchen kann man auch nach einer sogenannten Reduziermuffe. Sie sorgt dafür, dass die Öffnung des Rohrs nicht gröBer ausfällt als der eingeführte Schlauch, Tiere also nicht mehr ins Rohr gelangen können. Die meist orangefarbenen oder grünen Kanalgrundrohre werden allgemein eingesetzt, um Regen und Abwasser im Erdreich bis zur Kanalisation zu leiten. Auch wenn man keine Wärmepumpe mit Außenschlauch hat, sollte man kleinen Tieren zuliebe einmal gründlich prüfen, ob es auf dem Grundstück offene Zugänge zu den Rohren gibt und sie im Fall der Fälle abdecken. Das ist auch sinnvoll, wenn die Rohre waagerecht verlaufen. Der Grund: Nicht alle Tiere können rückwärtslaufen. Sie kommen also im Zweifel leider nicht mehr aus dem Rohr heraus, in das sie einmal hinein gekrabbelt sind.

Offene Rohre sind nicht die einzige Gefahr für Igel und andere kleine Tiere im Garten. Für die Tiere können auch Kellerlichtschächte ohne Gitterroste oder andere Abdeckung zur Falle werden. Ausstiegshilfen platzieren Es ist hilfreich, den Kellerzugang auf Gefahren zu scannen und Vorkehrungen zu treffen. Kleine Ausstiegshilfen wie bspw. ein Ziegelstein können sehr hilfreich sein. „Besser ist eine geschlossene, transparente Abdeckung, die im Gefälle verlegt ebenfalls hilft, den Eintrag von Niederschlagswasser in den Kellerlichtschacht zu reduzieren“, empfiehlt Normann-Marcel Dietz. (SWP/RATGEBER GARTEN/ dpa 14.9.26).
Tipps:
- Igel nie mit Milch Obst, Gemüse und Körnern füttern! Sie vertragen Hackfleisch (ungesalzen und gut durchbraten), Rührei und hochwertiges Katzenfutter ohne Getreide.
- Falls du Igel bei dir überwintern lässt: Die Tiere sind Einzelgänger, d.h., jedes braucht ein eigenes Quartier!
- Igel fühlen sich an der frischen Luft am wohlsten, damit sie richtig schlafen können – z.B. auf der Terrasse oder in einem Kaninchenstall.
- Nur gegen Nässe isolierte Igelhöhlen können mit Stroh oder Heu ausstaffiert werden (ansonsten zu Schimmelbildung neigend)!
i Igelhilfe: Die Igelhilfe Filstal findet man auf Facebook. Kontakt unter Tel 01575 / 8838368 und per E-Mail; Bauanleitung Futterhaus unter www.pro-igel.de, www.aktiontier-igelzentrum.de.


Quellen: Alexandra Mayer „Fit durch den Winter“ SÜDWEST PRESSE / KRUSCHEL/Expertin Bärbel Mayer 2.10.21; Anja Matthies „Wunder des Winterwaldes“ TVdirekt 1/2021; mein schöner Garten / erleben + entdecken Nov. 2023; Iris Ruoss „Putzige Besucher in Not“ NWZ 2.11.24; „Der Igel – Pflegefall oder Outdoor-Profi? NABU aktiv; Wikipedia. Siehe auch LNV-AK GP /Merkblätter – Touristik-Naturschutz-Aktionen!