Der Igel – Reihe: Tiere in der Stadt

Europäischer Igel /Braunbrustigel Erinaceus europaeus (F: Buda Ruska / NO-Polen)

Igel empfinden wir Menschen als niedlich, sie schmatzen nachts im Garten, haben süße, kleine Knopfaugen und zahlreiche Fabeln schildern Igel als sympatische Gartenbewohner. Viele von uns kennen die Erzählung der Brüder Grimm „Der Hase und der Igel“ (Erstveröffentlichung 1843). Wir Menschen mögen die Stacheltiere einfach und so wurde früher zu herbstlichen Sammelaktionen aufgerufen, mit denen Igel über den Winter gerettet werden sollten. Wenig später dann bescheinigte eine Studie dem Igel ideale Lebens-bedingungen, beste Bestandszahlen und eine alle Probleme ausgleichende Fruchtbarkeit. Heute jedoch bezweifeln Experten, dass der Bestand des Igels dauerhaft gesichert ist, denn sie sind in Sachen Lebensraum und Nahrungs-grundlagen mit vielen bedrohten Arten durchaus vergleichbar. Einem Wildtier wie dem Igel ist in der heutigen Umweltsituation weder mit winterlicher Pflege noch durch Nichtstun geholfen. Am ehesten wird man ihm gerecht, indem man ihn als Teil einer Lebensgemeinschaft versteht, die es in ihrer Gesamtheit zu schützen gilt.

i Etwa sechs Wochen lang kümmert sich die Igelmutter um ihre Babys. Dann gehen die jungen Igel ihre eigenen Wege. Den Vater bekommen sie übrigens gar nicht zu sehen; der macht sich gleich nach der Hochzeit aus dem Staub.

Künstlicher Igelunterschlupf im Garten (siehe Merkblatt) – hier verkriechen sie sich tagsüber oder legen ihre Winternester an (F: in einem Schlater Garten).

Wer Igel fit für den Winter machen will, sollte seinen Garten fit für Igel machen – naturnahe Gärten sind der beste Igelschutz! Zum Ausgang des Sommers kann man die Weichen stellen, für einen naturnahen, igelfreundlichen Garten und helfen, das „Micki“ gut über die kalte Jahreszeit kommt. Mitte Oktober wird das Nahrungsangebot deutlich knapper, die Alttiere beginnen ihr Winternest zu bauen und Jungigel versuchen noch weiter an Gewicht zuzulegen. Bis in den November hinein sind sie aktiv um Fressbares zu suchen und spät ein Winter-nest zu bauen, was dann oft ziemlich flott und schlampig passiert. Ab Mitte November schlummern alle Igel. Von kurzen Unterbrechungen abgesehen verschlafen sie die kalte Jahreszeit bis in den März oder April. Wie bei vielen Wildtieren mit hoher Nachkommensrate liegt auch bei Igeln die Sterblichkeit von Jungtieren um 70 – 80 %; ihre durchschnittliche Lebenserwartung beträgt zwei bis vier Jahre.

i Bieten sie Jungigeln im Spätherbst und Frühling gegebenenfalls Hunde-Weichfutter oder mit Igeltrockenfutter vermischtes Katzendosenfutter an. Interessante Gegenstände pflegen Igel ausgiebig zu beschnuppern, zu be-lecken und durchzukauen. Dabei entsteht eine weißschaumige Speichel-absonderung. Dieser Vorgang ist natürlich harmlos und hat mit Tollwut nichts zu tun!

Aufgepäppelte Igel vor ihrer Freilassung (F: in einem Göppingen Hofgarten).

Schon gewusst? Ende März bis Ende April erwachen auch die Igel aus ihrem Winterschlaf. Danach heißt es erst einmal: futtern, futtern, futtern, denn der Igel hat während seines langen Nickerchens einiges an Körpergewicht verloren. (SÜDWEST-PRESSE/KRUSCHEL 18.4.23)

Lange Zeit galt das v.g. Herbst-Einsammeln als probates Mittel, dem Igel Über-lebenshilfe zu geben (zwar gut gemeint, aber wenig hilfreich). Stattdessen steht heute ein ganzes Maßnahmenpaket im Vordergrund, das Igeln dort zum Über-wintern hilft, wo sie zuhause sind: draußen in der Natur. Essentiell für Igel sind Unterschlupfe & Verstecke wie Holzbeigen, Geschirrhütten, Wurzelwerk, Tro-ckenmauern (mit eingebauter Höhle), Treppenaufgänge, Kompostmieten, He-cken und Reisighaufen. Ergänzend können selbstgezimmerte Igelhäuschen oder aus Holzbeton gefertigt Igelkuppeln angeboten werden, die mit Laub ge-füllt werden. Da sie nachts sehr mobil sind, brauchen sie freien Zutritt zu Gär-ten: Hermetisch schließende Zäune und Mauern müssen passierbar sein für nächtliche Streifzüge. Kellertreppen, Lichtschächte und Regensammelgefäße sind oft gefährliche Fallen, die zu entschärfen sind. Und für alle Lebewesen ist Wasser lebenswichtig: Igel u.v.a. Tiere profitieren von regelmäßig gefüllten Vogeltränken oder Gartenteichen (auf eine flache Ausstiegsmöglichkeit ist dabei zu achten)!

i Die Hinterfüße des Igels sind größer und kräftiger ausgebildet als die Vor-derfüße. Er ist ein s.g. Sohlengänger. Unter dem Stachelkleid verbirgt er sei-ne mit 10 cm erstaunlich langen Beine, mit denen er bis zu 8 km/h zurückle-gen kann.

In Parkanlagen, Gärten und Siedlungsrändern teilt der Igel mit dem Menschen den Lebensraum. Dies führt einerseits zu spezifischen Gefahren wie Tierfallen oder Straßenverkehr, andererseits zum Auffinden verletzter oder kranker bzw. unterernährter Tiere. Dank des putzigen Kindchenschemas ist die Hilfsbereit-schaft gegenüber Igeln besonders groß. Doch die Inpflegenahme oder Haus-überwinterung muss die absolute Ausnahme bleiben und kann immer nur die baldige Auswilderung zum Ziel haben. Igel sind Wildtiere und sind weder zu zähmen, noch als Haustier zu halten. Die fach- und tiergerechte Betreuung eines Pfleglings braucht Erfahrung, tägliche Zuwendung und verursacht mühe und Kosten, was nur zusammen mit Igelstationen und Tierärzten geleistet werden kann. („Der Igel – Pflegefall oder Outdoor-Profi“, NABU; „Jagdrevier mit Unterschlupf“, Stefan Bosch, NATURSCHUTZ heute 3/03; Tierschutz BW 9/03; filstalexpress.de).

Tipp: Wer seinen Rasen, seinen Garten naturnah gestalten möchte, sollte ledig-lich ein oder zwei Mal im Jahr das Gras mähen. Dann siedeln sich ganz von alleine standorttypische Wildblumen an – wie diverse Kleesorten, Löwenzahn, Wiesensalbei oder Wiesenmargerite. Ihnen folgt eine Vielzahl an Tieren. Wer also ein bisschen mehr Wildnis wage, Blüten stehen lasse und nur Fußwege im Garten häufiger mähe, werde schon nach kurzer Zeit mit einem kleinen Para-dies und Besuchern belohnt. Schmetterlinge oder Wildbienen fänden einen Lebensraum. „Eine sonnige Kräuterspirale, ein Vogelnistkasten, eine Nisthilfe für Marienkäfer oder ein Staudenbeet lassen sich in die kleinsten Gärten inte-grieren. Mit etwas Glück und Geduld beziehen die summenden und krabbeln-den Gartenbewohner ihr neues Domizil und lassen sich dort beobachten – ungestört von gefährlichen Mährobotern und knatternden Rasenmähern“, weiß Felicitas Rechtenwald, Artenschutzexpertin beim NABU (…aus „Mähroboter: Eine tödliche Gefahr für Igel und Amphibien“ von Margit Haas, NWZ 20.5.22).

Wichtige Telefon-Nummer: 01575 – 8838868, igelhilfe-filstal@gmx.de