An Ostern ist er wieder allgegenwärtig: der Feldhase, Symbol der Fruchtbarkeit und mutmaßlicher Überbringer bunter Eier. Doch der Hasenbesatz schrumpft. – kein gutes Zeichen für den Zustand der Natur. Monotone Ackerlandschaften, Fressfeinde und Nässe bereiten dem Feldhasen Probleme. Sein Bestand hat in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen.

Seit 1997 gibt es bei der Wildforschungsstelle Aulendorf des Landwirtschaftl. Zentrums BW ‚LAZBW‘ das Projekt „Feldhasenmonitoring“, es ist eingebettet in den „Niederwildzensus BW“. Sinn des Unterfangens ist es herauszufinden, wie groß die Population einer bestimmten Tierart, in dem Fall des Feldhasen, ist. Nimmt der Bestand der Tiere ab, bleibt er stabil, nimmt er zu? In welchen Lebensräumen sind besonders viele oder besonders wenige Hasen zu finden, und woran könnte das liegen? Diese Daten werden in ganz BW erfasst, vorwiegend ehrenamtlich von Jägern. Sie zählen (2 Mal im Frühjahr, 2 Mal im Herbst; die wissenschaftlich anerkannte „Schweinwerfer-Methode“ – Hasen sind dämmerungs- und nachtaktiv – liefert eine verlässliche Einschätzung der Hasenpopulation pro 100 ha) nicht zuletzt deshalb, weil sie wissen wollen, ob sie einen Hasenbraten noch verantworten können.



Probleme bei der Nahrungssuche: Im Zuge der Flurneuordnung sind i.d.R. die Felder zu großen Äckern zusammengelegt worden – auf den riesigen Flächen wächst überall die gleiche Feldfrucht. Für die Hasen, die eine gemischte Kost aus Gräsern und Kräutern bevorzugen, ist das sehr eintönig. „Das sind fast schon grüne Wüsten“ sagt Guido Dalüge von der LAZBW. Oder die Tiere finden gar keine Nahrung, wenn gerade geerntet wurde. Die Äcker werden dann sofort umgepflügt, die blanke Erde bietet den Hasen kein Futter und kaum Versteck-möglichkeiten.




Im Gegensatz dazu ideale Hasenreviere:



Fehlender Unterschlupf: Feldgehölze und -Hecken sind in der aufgeräumten Flur nur noch selten anzutreffen, weil sie bei der Feldbewirtschaftung im Wege sind. Auch Waldränder und -Säume werden geschnitten, damit kein Schatten auf die Feldfrüchte fällt. Gut für den Weizen und Co., schlecht für die Hasen – in den Hecken suchen sie normalerweise Unterschlupf. So steigt auch der Jagd-druck durch Raubtiere und Greifvögel.

Aber beispielsweise auch Habicht (F: N.P. Bayerischer Wald „Lusen“), Reiher (Graureiher F: NSG Oppenweher Moor/NRW), Störche (Weißstorch F: Biebrzański N.P./PL), Bussard (Mäusebussard F: Streuobstgebiet Schlat) und Rabenvögel (Kolkrabe F: NP Reinhardswald/HE) sagen nicht nein, wenn sie bei der Futtersuche einen Junghasen erspähen. Diese sind leichte Beute. Wie ihre Eltern vertrauen sie auf ihre exzellente Tarnung und drücken sich bei Gefahr tief in ihre Bodenmulde (s.g. Sasse).






Auch die alten Graswege wurden eingeebnet bzw. aufgeschüttet, wenn nicht sogar asphaltiert. Da bleibt wenig Lebensraum für Hasen übrig, auch andere Tiere sind von der Entwicklung betroffen. Weil der Hase im Gegensatz etwa zu Rebhühnern relativ anpassungsfähig ist, gilt seine An- oder Abwesenheit als Messlatte für den Zustand der Natur. Ist er auf den Rückzug, ist das kein gutes Zeichen man kann davon ausgehen, dass es anderen Arten noch schlechter geht. Eigentlich gleichen die Hasen mit ihrer hohen Fruchtbarkeit aus, bis zu viermal im Jahr kann eine Häsin bis zu 5 Junge gebären. Dass das teils nicht mehr funktioniert, deutet darauf hin, dass das natürliche Gleichgewicht gestört ist.Womöglich gibt es zu viele Räuber, die dem Hasen nachstellen?


Klimawandel: Da Klima ist ein wichtiger Faktor.Hasen behagt regnerisches Wetter überhaupt nicht. Sie lieben es trocken, bei fechtkalter Witterung hingegen sterben viele Junghasen, die ungeschützt in ihren Sassen auf ihre Mutter warten, die nur zum Säugen vorbeischaut.

Der Klimawandel müsste den Hasen also eigentlich zupass kommen. Zugenommen hat ihre Population zuletzt dennoch nicht. Vor 40 J. habe es lt. NABU rund zehnmal so viele Feldhasen gegeben wie derzeit. Zur Verbesserung zählt Dalüge drei Stellschrauben auf: das Klima, die Landwirtschaft und die Beutegreifer.



Der Hase und die Ostereier: Die Ostereier bemalt und versteckt der Hase in unseren Gärten, so steht es in Kinderbüchern. Woher kommt dieses Bild, das im Laufe des 19. Jh. populär wurde? Ein beliebter Erklärungsversuch ist, dass sowohl Eier als auch Hasen oder Kaninchen ein Symbol der Fruchtbarkeit sind. Der Bezug zu Ostern, dem Fest der Auferstehung und des ewigen Lebens, liegt also nahe. Der Hase gilt zudem als Symbol der Dreieinigkeit in Form des „Dreihasenbildes“ – drei im Kreis laufende Hasen, die sich ihre Ohren teilen. In der Antike war der Glaube verbreitet, der Hase sei ein Zwitter. Die Kirche machte daraus die Fähigkeit zur jungfräulichen Geburt und stellte einen Bezug zu Maria und dem Jesuskind her.

In der keltischen Mythologie galt der Hase als Symbol verschiedener Götter; etwa des Krieges oder der Fruchtbarkeit. In manchen Religionen wird der Hase weniger positiv gedeutet.
Quellen: Auszüge SWP/magazin am Wochenende/Yasemin Gürtanyel 3.4.21; Blog HF „Die Rückkehr der Großraubtiere“; siehe auch „Tiere in unserer Nähe“ NDR/NATUR&REISE 19.11.25)