Der Biber – Reihe: Tiere in der Stadt

Eurasischer Biber Castor fiber (F: Lonsee / Alb-Donau-Kreis)

Nachdem der Biber Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland fast komplett ausgerottet worden war, gab es in Bayern ab den 1960er-Jahren Aktivitäten zur Wiederansiedlung dieser Wildtierart. Ende der 1990er-Jahre wanderte er dann von dort aus über die Donau, aber auch aus dem Elsass und der Schweiz kommend, wieder in BW ein. Dort hat er sich seither weiter ausgebreitet. Während die Besiedlung mancherorts schon weit fortgeschritten ist, beginnt sie andernorts erst. Lt. Schätzungen 2020/21 umfasst die Biberpopulation in ganz BW ca. 7500 Individuen. Mit Blick auf noch freie und potenziell als Lebensraum geeignete Gewässer ist davon auszugehen, dass die Population in den nächsten Jahren weiter ansteigen und sich schlussendlich auf das entsprechende Niveau der Lebensraumkapazität einpendeln wird. Der Biber ist nach den FFH-RL und dem BNatSchG eine „streng geschützte Art“. Es ist daher verboten, dem Biber nachzustellen, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten, ihn während der für die Arterhaltung besonders sensiblen Phasen der Fortpflanzung und Aufzucht erheblich zu stören oder seine Fortpflanzung und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. (Siehe Isabella Hafner „Zurück im Revier“ SWP 10.6.11; „Land lässt Biber tötenLdT BW 5.2.24).

Biberdamm am Butzbach (F: am Siedlungsrand von Albershausen)

Die durch die Aktivitäten des Bibers umgestalteten Gewässer, Auen und Ufer-streifen helfen dabei, zerschnittene Biotop wieder miteinander zu vernetzen und den Biotopverbund zu fördern. Der Biber wirkt sich also insges. ausge-sprochen positiv auf die Biodiversität in solchen Gebieten aus. Wo jedoch die Ansprüche des Bibers an seinen Lebensraum mit den Nutzungsinteressen des Menschen zusammentreffen, kommt es immer wieder mal zu Konflikten. So kann der durch die Dammbauaktivitäten verursachte Anstieg des Wasserpegels dazu führen, dass an das Gewässer angrenzende (landwirtschaftlich) genutzte Flächen vernässen und nicht mehr wie bisher genutzt werden können.

Biberfraßspuren (F: an den Baggerlöchern bei Oberelchingen / Ldkrs. Neu-Ulm)

Weitere Beispiele für Biberkonflikte sind die Unterminierung von Uferböschun-gen sowie Fraßschäden an Gehölzen. Etwa 90 % der Biberkonflikte treten auf Flächen in einem Abstand von maximal 10 m vom Ufer eines Gewässers auf. Die beste Möglichkeit für eine langfristige und nachhaltige Lösung von Biberkon-flikten sind ausreichend breite, nicht oder nur extensiv genutzt Gewässerrand-streifen. Wo das nicht möglich ist, bietet das Bibermanagement eine Vielzahl weiterer (technischer) Maßnahmen zur Konfliktlösung:

Bibermanagement – hier wurden die Drainageröhren ursprünglich über den Damm geführt und vom Biber bereits wieder überbaut (F: beim Freibad in Wiesensteig)

So kann im Fall einer durch die Dammbauaktivitäten vernässten Fläche der Wasserpegeloberstrom des hierfür verantwortlichen Biberdammes reguliert werden, um die Fläche wieder zu entwässern. Der Damm kann auch abgesenkt oder ein Drainagerohr in den Damm eingebaut werden. Für solche Maßnahmen sind stets artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigungen notwenig!

Bibermanagement an der Lone (Alb-Donau-Kreis) – die Drainage wurde seitlich im Damm verlegt.

Ein weiteres Beispiel ist das Anbringen von s.g. „Drahthosen“ an wertvollen Bäumen (Ummanteln mit Maschendraht). Auf diese Weise kann verhindert werden, dass der Biber an den jeweiligen Gehölzen nagt oder diese fällt. Für dieses Anbringen von „Drahthosen“ ist keine artenschutzrechtliche Ausnahme-genehmigung notwendig. Sofern es nicht anders möglich ist, können Biberkon-flikte aus durch das Vergrämen oder Umsiedeln einzelner Tiere gelöst werden. Viele der zur Lösung oder zu Vermeidung von Biberkonflikten geeigneten Maß-nahmen werden durch das Land BW gefördert. So werden den Betroffenen z.B. die „Drahthosen“ von der zuständigen unteren Naturschutzbehörde zur Vfg. gestellt. Gleiches gilt für die Drahtgitter (Biberschutzmatten), welche zum Schutz von einer Unterminierung in die Uferböschungen eingebaut bzw. auf diese aufgelegt werden können. (BW-Wildtierbericht 2021; zur Biologe des Bibers siehe HF „Lebensraum Biber“).

Die Zahl der Biber im Land steigt: Die Zahl derBiber inBW ist auf gut 11.500 Tiere angewachsen. Mit 1.457 Biberrevieren verzeichnet der Regierungsbezirk Tübingen die höchste Anzahl, gefolgt von Stuttgart mit 937 und Freiburg mit 713 Revieren, teilte das Umweltministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion mit. Im Regierungsbezirk Karlsruhe, der aktuell 182 Biberreviere aufweist, rechnen Experten in den kommenden Jahren mit einer deutlichen Zunahme. (SWP/SÜDWESTUMSCHAU/epd 23.5.25; siehe auch Auszug „Biber und Wolf sollen bejagt werden“ SWP/SÜDWESTUMSCHAU/dpa 29.11.25)!

Tipp: ImFalle eines Biberkonflikts ist es wichtig, sich möglichst schnell mit den vor Ort zuständigen ehrenamtlichen Biberberaterinnen und Beratern oder der unteren Naturschutzbehörde in Verbindung zu setzen. Im Rahmen eines Orts-termins kann so der Konflikt zeitnah und umfassend begutachtet und im An-schluss daran jeweils eine individuelle Lösung für den jeweiligen Fall erarbeitet werden. Biberberater RP Stuttgart. Siehe auch Biberverordnung BW + BUND!

forsa-Umfrage: Große Mehrheit heißt Biber und Wolf im Südwesten willkommen – Mehr als 70 % begrüßen Rückkehr der geschützten Tiere. (Auszug Gemeinsame Pressemitteilung von BUND und NABU 26.2.26).

Protest gegen die Biber-Jagd: Eine neue Verordnung erlaubt es, die Nager unter bestimmten Umständen zu schießen. Verbände haben dagegen eine Petition gestartet. Der Weg der Petition: Ist die Frist für das Unterschriften-Sammeln am 20. März abgelaufen, prüft der Petitionsausschuss die Petition. Wenn mindestens 10.000 Personen die Petition unterstützen, findet eine öffentliche Anhörung statt, und der Petitionsausschuss legt dem Landtags-plenum einen Beschlussvorschlag zur Entscheidung vor. Die Landtags- entscheidung wird innerhalb weniger Tage nach Abschluss der Petition veröffentlicht. Wird eine öffentliche Petition nach der Entscheidung des Landtagsplenums der Regierung zur Erwägung, Berücksichtigung oder Veranlassung einer bestimmten Maßnahme übergeben, muss diese i.d.R. innerhalb von 2 Monaten darüber berichten (SWP/SÜDWESTUMSCHAU / Auszug von Petra Walheim 7.3.26).

Biber-Exkursion 15.11.25 (F: Lonsee © Alexandra Hermann)

Biber verursachen Verkehrsunfälle, da sie Gewässer überqueren, oft nachts und aufgrund ihrer Größe sowie ggfs. schlechter Sichtverhältnisse zu Kollisionen mit Fahrzeugen führen können, was Schäden am Auto und oft den Tod des Bibers zur Folge haben. Sie sind in der Nähe von Gewässern anzutreffen, auch in Städten, und ihre zunehmende Population erhöht das Risiko. Bei einem Unfall muss man beachten, dass Biber geschützte Tiere sind; bei Verletzungen sollte man zuständige Stellen informieren, da ein Fangschuss nicht erlaubt ist. 

Biberposse vom Klosterweiher: Das Nagetier ist zum Glück wieder öfter im Lan dazu finden. Doch es kann auch Verdruss bereiten, wie das Beispiel von St. Georgien zeigt – Biber graben dem Weiher das Frischwasser ab. Mehr als 11.000 Exemplare: Der Biber in BW ist eine Erfolgsgeschichte des Arten-schutzes. 2004 gab es nur noch rund 350 Exemplare, inzwischen sind es 11.500 Biber, der Bestand ist nicht mehr gefährdet. Das Tier genießt aber weiterhin den höchsten Schutzstatus, „weil eben noch nicht alle Biberreviere im Land besiedelt sind“, so Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann (Grüne). Die wiedererstarkte Biberpopulation in BW führt immer wieder zu Konflikten. Am Klosterweiher sind die Reibungen mit der Umweltbürokratie besonders hoch.(Auszug Theo Westermann SWP/SÜDWESTUMSCHAU 4.1.25)


i 🦫 Vorgesehen – rund 2-stündige Exkursion „Im Revier der Biber an der Lone„: Frische Fraßspuren an Baumstämmen und gefällte Bäume – im Winter hinterlässt der Biber gut sichtbare Spuren. Folgen sie seiner Fährte bei Lonsee/ Alb-Donau-Kreis. Gross und Klein erfahren auf dieser Exkursion, warum der Biber mit einem Holzfäller oder am Biber-Staudamm mit einem Wasser-bauingenieur verglichen werden kann und wie die Biberfamilie in ihrer Burg lebt. Anhand von unterschiedlichen Biberspuren werden seine sozialen Verhaltens- und Lebensweisen kennengelernt. (Tipp: Festes und warmes Schuhwerk, sehr warme Kleidung, warmer Tee oder Kaffee; die Exkursion findet bei jedem Wetter statt – Beginn: 9:00 h). Unverbindliche Voranmeldung unter info@hartmutfelgner.de.

Zur flickr-Fotoserie und HF „Lebensraum Biber“ (Schulprojekt)