NSG „Heilige Hallen“

Ein als Naturwaldreservat geschützter alter Buchenwald: Die Heiligen Hallen in der Feldberger Seenlandschaft/Lkrs. Mecklenburgische Seenplatte bei Neustrelitz gelten als ältester Buchenwald Deutschlands. Dort darf sich die Natur weitgehend ungestört entwickeln. Betreten auf eigene Faust verboten: Es gibt nicht viele staatliche Wälder, für die das gilt. Das Verbot soll weniger den Wald schützen als vielmehr mögliche Besucher vor herabstürzenden Ästen und umfallenden Bäumen. Denn in dem alten Buchenwald (viele Bäume sind über 300 Jahre alt; manche Baumriesen bringen es auf mehr als 50 Meter Höhe) entsteht ein Urwald, der möglichst ohne menschliche Einflüsse wachsen soll.

Mit der Ausweisung als Naturwaldreservat wurden die Heiligen Hallen Bestandteil der wissenschaftlichen Dauerbeobachtung iR. des Naturwald-Programms Mecklenburg-Vorpommern.

Der Baumbestand der Heiligen Hallen ist z.Zt. des 30jährigen Krieges (1618 – 1648) aus einer Naturverjüngung entstanden. Seit der Mitte des 18. Jh. befand sich der Buchenbestand in der s.g. Optimalphase der Bestandsentwicklung. Diese Entwicklungsphase eines Buchenwaldes zeichnet sich durch besonders gerade und hohe Bäume in einer großen Bestandsdichte aus. Hohe gerade gewachsene Stämme und ein geschlossenes Kronendach erinnern an die Halle eines gotischen Doms. Dadurch kam es vermutlich zur Bezeichnung „Heilige Hallen“. Diese optimale Phase dauerte etwa bis in die Mitte des 19. Jh. an.

Die Schutzbemühungen gehen wenigstens bis Mitte des 19. Jh. zurück: Im Jahre 1850 pries der Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz den Buchenbestand in einem Gedicht „Bei der Erinnerung des Buchenwaldes bei Lüttenhagen“. Er stellte den Bestand durch sein Wort unter Schutz, sollte doch seine Einmaligkeit „für alle Zeiten“ bewahrt bleiben. 1908 wurde das Gebiet auf die Naturdenkmal- liste Mecklenburgs gesetzt und am 24.02.1938 i.R. des seit 1935 bestehenden Reichsnaturschutzgesetzes zum Naturschutzgebiet erklärt. 1993 wurde das Gebiet um 40 ha auf heute 65,6 ha erweitert. Den Namen Heilige Hallen soll der Wald einst bekommen haben, da die mächtigen Buchenstämme an Säulen in gotischen Kirchen erinnern und dichtes Laub das Dach bildet.

Die toten Bäume (Windbruch- und Windwurfholz) wurden bis 1950 aufbereitet, d.h. aus dem Schutzgebiet entfernt. Erst seit 1950 steht das Gebiet unter absolutem Schutz. Seitdem darf auch kein Totholz mehr entnommen werden (Totalreservat).

…schwarzer Humus (F: Route Forestière de l’Ermite/Haguenau forêt/F)

Zum Foto oben links: Nahrungskammer „Totholz“ – 600 Großpilz- und ≈ 1.350 Käferarten sind an der vollständigen Remineralisierung beteiligt.

Totes Holz bleibt in dem Wald liegen und bietet Lebensräume für Insekten, Vögel und Pilze. So konnten sich viele Arten ansiedeln, die in anderen Wäldern keine Überlebenschance hätten. Die Eingriffe des Menschen beschränken sich nun nur noch auf die Pflege der Wege, indem Windwurf geräumt wird. Hinweis Naturpark Feldberger Seenlandschaft / Forstamt Lüttenhagen: Im NSG erfolgen keine Eingriffe mehr. So kann nur eine eingeschränkte Wegesicherung vorgenommen werden. Es muss immer mit herabfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen gerechnet werden: Meiden Sie den Besuch bei starkem Wind und Nebel. Sie benutzen den Weg auf eigene Gefahr (It. Wald-Gesetz MV § 14).

Ein Wanderweg und geführte Touren: Um Interessierten einen Einblick in die Heiligen Hallen zu bieten, hat der Landesforst einen rund 5 km langen Weg angelegt, der am Rande des Gebietes entlang führt. Auf dem Lehrpfad werden sie verschiedenes zur Waldnutzung, Landschaftsentwicklung und zur Entstehung der „Heiligen Hallen“ (Totalreservat von etwa 25 ha) erfahren. Ein schmaler Pfad führt dann durch einen 350 Jahre alten Buchenwald. Man braucht mindestens 2 Std., um über den Rundweg wieder zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Weitere Informationen über das Gebiet mit seiner Tier- & Pflanzenwelt u.a. am Storcheninformationspunkt, im benachbarten Wald-museum „Lütt Holthus“ oder im angrenzenden „Paradiesgarten“. Außerdem organisieren Forstamt und Naturpark im Sommer zu festen Terminen Führungen in den Wald, Gruppenführungen sind nach Anfrage möglich.

Köhlereiche (F: Naturwaldreservat Heilige Hallen/MV)

Die Köhlereiche und die historische Nutzung: Eine imposante Stieleiche direkt an einem ehemaligen Rastplatz der Köhler. Sie markiert eine historische Köhlerei mit einer nachgebauten Köhlerhütte. Der Baum zeugt von der früheren Nutzung des Waldes durch Teeröfen, Glashütten und Köhlereien. Lage: Sie steht etwa 300 m hinter dem Beginn des historischen Pflasterwegs „Neuer Damm“.

Quellen: Infotafel; Internetseite NP Feldberger Seenlandschaft; NDR.de 27.5.26; Wikipedia/KI.