Fröhliche Kinderstube – Im Frühjahr toben die Lämmer wieder über die Weiden.

Schäfchenwolken

Niedlich wie wattenweiche Wölkchen. Doch die Tierkinder können schon viel mehr, als nur süß auszusehen.

Sie kündigen zart blökend den Frühling an: Mit den ersten Sonnenstrahlen verwandeln Lämmer die Weiden wieder in fröhliche Spielplätze. Die meisten Schafe bekommen einmal jährlich Nachwuchs: in der Regel ein Junges, manchmal auch Zwillinge. Für die Schäfchen ist die Mutter das Zentrum ihrer Welt. Kurz nach der Geburt werden sie von ihr gründlich abgeleckt. Erst 20 Minuten alt, versuchen sie zum 1. Mal aufzustehen. Ist das geschafft, beginnen sie sofort am Euter zu trinken. Spätestens 12 Std. nach der Geburt können sie die Mutter erkennen: ihr Aussehen ebenso wie ihre Stimme. „Wenn in einer großen Herde eine Mutter nach den Lämmern ruft, kommen die von sonst wo angeschossen“, berichtet Michael Gertenbach, Schäfermeister und Berater für Schafzucht bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. „Wenn sie Zwillinge hat, lässt sie nie ein Lamm alleine trinken – sie wartet, bis beide da sind.“ Nicht nur zur Nahrungsaufnahme suchen Lämmer den Körperkontakt zur Mutter.

„…die allermeisten Lämmer bleiben länger bei der Mutter, als sie zum Milchtrinken müssten.“ Die Milchphase dauert 8 Wochen. Danach sind Lämmer in der Lage, sich auch ohne Milch zu ernähren. Michael Gertenbach, Schäfermeister – Tiroler Bergschaf (F: Edenalpe/TirolA)

Auch zum Schlafen oder Wiederkäuen bleiben sie in deren Nähe. „Wenn noch klein und leicht sind, legen sie sich manchmal gar auf die Mutter und schlafen in deren Wolle“ , so Gertenbach.

…eine gute Bindung zur Mutter ist für Lämmchen essenziell! – Coburger Fuchsschaf (F: Rhein-wiesen-Altarm bei Griethausen/Ndrh.)

Schon nach 7 Tagen beginnen sie allerdings, parallel auch zartes Grün zu knabbern. Das ist wichtig, um den Magen gut auszubilden, den sie später als Wiederkäuer brauchen. „So kann sich der Pansen vernünftig entwickeln“, erklärt Gertenbach. „Am Anfang haben sie nur den Labmagen.“ Da die meisten Frischgeborenen zuerst im Stall leben, richtet man ihnen dort einen speziellen Futterplatz ein, den „Lämmerschlupf“ Dort finden sie bestes Heu und leicht verdauliches Kraftfutter – was natürlich auch für den Rest der Herde hoch-interessant ist. Um die fernzuhalten, führen zu den Delikatessen enge Zugänge, durch die nur Lämmer schlüpfen können – daher der Name.

Voller Neugier die Welt erobern: Bis zum Alter von 7 Monaten befinden sich die Schäfchen in der Aufwuchsphase, ab etwa 8 – 9 Monaten sind die weiblichen Lämmer selbst schon geschlechtsreif. Neben der engen Bindung zu ihrer Mutter gehen die kleinen Rabauken auch Freundschaften mit anderen Lämmern ein: „Sie kuscheln gerne alle zusammen, und wenn die Mütter beschäftigt sind, rennen und springen sie gemeinsam wild umher und toben.“ Fast so wie Men-schenkinder. Was lustig aussieht, hat aber einen tieferen Sinn, der über Spaß am Spiel hinausgeht: Die Bocksprünge sind ein effektives Ganzkörpertraining, sie stärken Muskulatur und Ausdauer.

Dummes Schaf? Weit gefehlt! „Die Tiere sind weitaus intelligenter, als man bislang dachte“,sagt der Experte. Er erinnert sich etwa an dressierte Zirkus-schafe, die durch Reifen springen und Männchen machen konnten. Auch der Orientierungssinn der Tiere ist beeindruckend: „Schafe können Orte nach einem Jahr wiedererkennen und sich sofort orientieren“, so Gertenbach. Gesichter von Artgenossen und Menschen merken sie sich ebenfalls und sind in der Lage, diese später zu identifizieren. Die Tiere scheinen zudem einen siebten Sinn zu haben. Selbst nach vielen Jahren Berufserfahrung ist Gertenbach von der Sensibilität seiner Schützlinge verblüfft: Sie spüren etwa im Voraus, ob Schnee fallen wird – und fressen dann prophylaktisch besonders viel Gras. Der Schäfermeister beobachtete auch, dass in Vollmondnächten mehr Lämmer geboren werden als sonst. Ein Mysterium, das er sich bis heute nicht erklären kann.

…innerhalb von Herden (F: Reichenbach i.T.) formen Schafe separate Freundesgruppen.

Achtung in Wildnisgebieten mit Braunbären:

„Kling, Glöckchen!“ (…in USA und Kanada von den Wanderern bzw. Touristen eingesetzt) – bei uns in den Alpen nicht ratsam, da der Bär dies durchaus mit Weidetieren auf den Almen (= potenzielle Nahrung) in Verbindung bringen könnte! (F: Braunköpfiges Fleischschaf – Churfirsten – Gluris-tal/CH).

(Doku „Fröhliche Kinderstube“ Nina Sievers, TVdirekt 8/26; TV-TIPP NDR: Hofgeschichten – Doku: „Unsere Lieblinge – Grasernte, Schafumtrieb und Lämmerpflege“)